Älpler auf Abwegen! Klettern in der Bretagne.
Nun müssen auch wir in den Sommerferien Urlaub machen. Also wohin, wenn alle unterwegs sind, es überall voll ist und man auch noch Klettern will? Wir dachten uns, der nordwestlichste Zipfel Frankreichs ist noch nicht so voll.
So machten Josef, Liesel, Raoul, Dietrich und Ellen sich in ihren Wohnmobilen auf den Weg zum Pointe Pen-Hir. Da die Anreise ca. 1000 km lang ist, machten wir das erst mal Halt in Port en Bessin, wo wir am französischen Nationalfeiertag am Quai ein schönes Feuerwerk erlebten. Auf der Weiterfahrt nach Granville blieben wir in einem 2. Weltkriegs-Museum hängen, was einem kurzfristig die Urlaubstimmung nimmt. Granville ist ein schöner Küstenort in der Normandie, durchaus eine Reise wert. Was natürlich nicht fehlen durfte war le Mont St. Michel. Die düsteren Regenwolken hingen über der Felsenstadt, Dracula ließ grüßen und tatsächlich, wir wurden bis auf die Unterhosen nass. Ein sehenswertes Bauwerk, dessen Umgebung aber ein wenig an die Rüdesheimer Drosselgasse erinnert.
Unser nächster Haltepunkt war St. Malo, wo wir auf einem Camping-Gelände an einem Weltkriegs-Memorial eine tolle Sicht auf den Hafen und die Altstadt von St. Malo hatten. In der Umgebung gibt es einen alten Steinbruch den Mont Dol, der zum Klettern geeignet ist, aber leider war uns der Wettergott nicht wohl gesonnen. Das große Aquarium von St. Malo ist es allemal wert, dort einen Stopp einzulegen. Von vielen Fischen - Piranha bis Hai - abgesehen, gab es ein Streichelbassin für Fische, ein 3-D-Kino und eine Tauchfahrt mit einem Unterwasserboot. Ein echtes Highlight, nicht nur für Kinder.
Weiter ging es zur Ile de Bréhat, einer Insel ohne Autos, nur mit Fußgängern, Fahrädern und Traktoren. Die Vielfalt der Vegetation war begeisterungswürdig, besonders die überall blühenden Hortensien. Ein Tageausflug der sich gelohnt hat.
Der Wetterbericht für Deutschland war hervorragend und wir hatten jeden Tag mindestens einmal Regen. Irgendwie war das nichts tun nach einer Woche auch genug, so dass wir den Weg nach Primel-Trégastel antraten um an den Granitblöcken am Meer zu Klettern. Der Weg dorthin erfordert schon ein hohes Maß an alpiner Wegfindung. Der rote Granit, in unmittelbarer Nähe eines Campingplatzes, war sehr glatt, aber leider auch sehr nass, so dass wir die Flucht ergriffen und auf besseres Wetter hofften.
Wir entschlossen uns jetzt sofort zum Pointe de Pen-Hir ca. 2 km entfernt von Camaret-sur-Mer zu fahren. Dort angekommen, war das Wetter schön, ein Hinweis auf das Klettergebiet da, mit der Bitte die Kletterer zu respektieren. Uns wurde erst später klar weshalb. Ein wunderschöner kostenfreier Standplatz, mit einem gigantischen Sonnenuntergang, wenn Sie denn im Meer versank. Sie tat es meist in den Wolken. Dort verbrachten wir eine Woche. Nach längerem Suchen nach den Einstiegen und der Unterhaltungen mit französischen Kletterern, waren die ausgesicherten Routen gut zu finden. 30- 40 m Routen, direkt mit Blick auf Meer und Segelboote, eine wunderschöne Kulisse. Der Fels, rauer Sandstein, dem man es nicht ansieht, war nach der ersten Gewöhnung gut zu Klettern. Routen bis 5a waren ausreichend vorhanden (La dalle des débutants, Dalle de Paul), sogar eine nur für Kinder ausgesichert Wand (a dalle aux enfants bis 3 c). Daneben gibt es das "terrain d'adventure", dieses Abenteuergelände, muss selbst ausgesichert werden (Routen bis 3 Seillängen). Eine Woche Klettern hält man gut aus. Es kann sein, dass Steine werfende Touristen unterwegs sind, also Vorsicht, der Hinweis auf der Tafel war angebracht. Wenn man die Nase voll hat oder die Arme zu dick werden, ist man in 10 Minuten am Meer. Die beste Zeit zum Klettern war wegen der Hitze früh morgens oder spät abends. Der Camping Municipal in Camaret-sur-Mer ist 3 km von Klettergebiet entfernt, sehr gepflegt, schattig und extrem billig. Irgendwann ist jeder Urlaub zu Ende. Unser Weg führte uns über Quimper (u.a. wunderschöne sehenswerte gotische Kathedrale) über die Ile de Quiberon (viel zu voll) wieder nach Hause.
Unser Résumée: Die Bretagne ist auch zum Klettern eine Reise wert!
Ellen Müller-Taschinski