Wandern ohne Gepäck in der nördlichen Fränkischen Schweiz

Teilnehmer: Ottfried Heinrich, Adam Luckas, Claus Pohlmann, Theo Scholl, Georg Steffen

Sonntag, 13.05.01, sonnig, sehr warm.

Wir hatten uns verabredet um 10 Uhr in Laubenheim loszufahren. Theo aus St. Ingbert, der den weitesten Weg hatte, war wie im vergangenen Jahr als erster da. Nachdem auch Adam eingetroffen und das Gepäck verstaut war, fuhren wir kurz vor 10 Uhr los. Wir hatten ohne Stau eine gute Fahrt und waren bereits kurz vor 13 Uhr in Streitberg bei Forchheim angekommen. Ein dunkles Kellerbier und eine fränkische Leberknödelsuppe schmeckten ausgezeichnet. Nachdem die Zimmer belegt waren, haben wir auf dem Marktplatz in der Sonne sitzend auf den letzten Teilnehmer gewartet, der dann auch alsbald eintraf. Wir sind dann noch zur Ruine Streitberg aufgestiegen und genossen den herrlichen Blick auf die gegenüberliegende Ruine Neideck und auf die direkt unter der Burgruine liegenden Dächer von Streitberg. Nach Rückkunft in den Gasthof "Schwarzer Adler" genossen wir den Biergarten und das Abendessen. Als es kühler wurde, zogen wir uns in die Gaststube zurück und übten Theos neues Würfelspiel. Gegen 21 Uhr zu Bett.

Montag, 14.05.01, sonnig, warm, nachmittags bedeckt.

Wir haben alle gut geschlafen. Gegen 4 Uhr störten LKW - offenes Fenster - die Nachtruhe. Frühstück war für 8 Uhr bestellt. Frühstücksbuffet sehr reichlich. Kurz vor 9 Uhr nach Verpflegungsaufnahme in der Nachbarschaft des Gasthauses Beginn unserer Wanderung. Nach einer guten halben Stunde erreichten wir die Burg Neideck, gegenüber von Streitberg. Ein herrlicher Blick in das felsengesäumte Wiesenthal, auf den Ort Muggendorf und auf Streitberg gehören zum Schönsten, was die Fränkische Schweiz zu bieten hat, berichtet unser Reiseführer. Abwärts erreichen wir bald den Weiler Haag, durchqueren das Wiesenthal, um auf dem gegenüberliegenden Waldweg am Kletterfelsen Klara Ruhe und der Muschelquelle vorbei steil aufwärts zur Ruine Streitberg, die wir gestern Abend schon bestiegen hatten, zu gelangen. Gegenüber der Ruine an der ersten Jugendherberge der Fränkischen Schweiz vorbei wandern wir auf dem "Mai Weg" auf der landwirtschaftlich genutzten Hochfläche zum Weiler "Störnhof" mit ca. 150 Einwohnern und einer Gastwirtschaft. Dort in Mitten des Dorfes bediente uns die Wirtin auf Krücken gestützt mit einem kühlen Radler. An einem blühenden Rapsfeld Mittagspause und dann durch das Leidingshofer Tal abwärts zu unserem heutigen Tagesziel nach Veilbronn.
Im oberen Teil des Tales gibt es leider immer weniger Wacholdersträuche. Weiter unten scheint eine hohe Felswand - darüber stehen die Häuser von Leidlingshof - das Tal zu verschließen. In der Sonne liegen zwei Jungfüchse, die aber, nachdem sie uns wahrgenommen hatten, im Bau verschwanden. Ein ständiges Klopfen führte uns zu einer Pumpanlage mit einem Widder, mit dem Leidlingshof bis vor wenigen Jahren mit Wasser aus dem Mathelbach versorgt wurde. Über einen herrlichen Waldpfad - rechts oben stand das Naturfreundehaus - erreichen wir dann Veilbronn. Im Landhotel "Sponsel-Regus", das durch Anbauten immer wieder erweitert wurde und fast 200 Betten hat, erfahren wir, dass Veilbronn einer der beliebtesten Ausflugsorte der Fränkischen Schweiz ist. Nachdem wir uns fein gemacht hatten, gab es Kaffee auf der Terrasse des Hauses. Vor dem Abendbrot erkundeten wir noch unseren Weg für den nächsten Wandertag. Gutes und reichliches Abendessen und nach einem Würfelspiel gegen 21 Uhr zu Bett.

Dienstag, 15.05.01, zunächst Nebel bis 8.30 Uhr, bedeckt, sonnig.

Frühstück wie am Vortag um 8 Uhr. Reichhaltiges Frühstücksbuffet, das ständig ergänzt wurde, da jetzt bereits etwa 65 Personen zum Frühstück da waren. Kurz vor 9 Uhr, der Nebel hatte ich verzogen, losmarschiert und durch das schöne Werntal am Quelltopf des Siegritzer Brunnens vorbei ständig steigend zur Jurahochfläche zum Pavillon oberhalb von Heiligenstadt. Von diesem Aussichtsfelsen bot sich ein sehr schöner Blick ins Leinleiertal und auf die Höhen des westlichen Albrandes. Über einen steilen Pfad erreichten wir gegen 11.30 Uhr Heiligenstadt mit seinem schönen Marktplatz. Wir besichtigten die Kirchenburg St. Veit. An dem Neubau der katholischen Kirche - Neubau, entsprechende Innengestaltung - erreichten wir Schloss Greifenstein gegen 12.15 Uhr. Die nächste Führung ist für 13.30 Uhr vorgesehen, weshalb wir darauf verzichteten, zumal zwei Busse auf die Führung warteten. Schloss Greifenstein ist seit 1691 im Besitz der Grafen Schenk zu Stauffenberg. Nach einer kurzen Mittagsrast gingen wir über die Lindenallee in Richtung Aufseß, verpaßten jedoch den Weg gleich hinter den Pferdestallungen und marschierten deshalb am Ende der Lindenallee nach dem Weiler Sticht und weiter über Neudorf in das Aufseßtal und auf dem Main-Donau-Weg nach Aufseß. Wir besichtigten die staatliche Fischzuchtanstalt von Neuseß und erreichten ohne Regen unser Tagesziel in Aufseß. Das Lokal öffnete erst um 17 Uhr, die Zimmer konnten wir jedoch nach unserer Ankunft um 16 Uhr belegen. Gegen 17 Uhr starker Gewitterregen, der sich gegen 19 Uhr nochmals wiederholte. Gutes Abendessen mit Bier aus eigener Brauerei. Gegen 21 Uhr war der Tag beendet.

Mittwoch, 16.05.01, bedeckt, sonnig, warm bis etwa 20°.

Die Doppelfenster unserer Zimmer haben keinen Straßenlärm zugelassen. Frühstück heute vor 8 Uhr, sehr reichhaltiges Frühstücksbuffet. Gegen 9 Uhr nach Einkaufen für die Mittagsrast losmarschiert. Ein schöner Talweg an der Aufseß entlang vorbei am Schloss Oberaufseß führte uns nach etwa einer Stunde nach Neuhaus und nach weiteren 70 Minuten nach Drosendorf. Vor Freienfels gab es eine Abzweigung unseres Weges direkt nach Hollfeld, unserem heutigen Tagesziel. Wir entschieden uns jedoch, über Freienfels zu unserem Tagesziel zu marschieren. Das heutige Schloss liegt auf einer 45 m hohen Felswand über dem Wiesenthal und geht auf eine bereits im 12. Jahrhundert erbaute Burg zurück. Nach einem guten Radler in Freienfels gehen wir über die "Lindenallee" durch Neidenstein und erreichen alsbald unser Tagesziel Hollfeld. Kurz vor 17 Uhr gab es Kaffee und frischgebackenen Apfelkuchen. Alsbald setzte Regen ein, so dass wir das Haus bis zum Abendessen nicht mehr verlassen haben. Zum Abendessen waren wir die einzigen Gäste.

Donnerstag, 17.05.01, bedeckt, Regen bis gegen 14 Uhr.

Nach unserem Programm war heute der Weg Hollfeld - Sanspareil - Hollfeld vorgesehen. Schon beim Frühstück hat es stark geregnet. Gegenüber den vorhergehenden Tagen war das Frühstück ausreichend, bestand jedoch nur aus Käse, Marmelade und wenig Wurst. Kaffee mußte nachgefordert werden und wurde tassenweise serviert. Nach 9 Uhr entschlossen wir uns mit Regenzeug und Schirm zu einem Stadtrundgang. (Marktplatz, Rathaus, St. Gangolfskirche, Stadtmauer und Stadttore) Als gegen 10.30 Uhr der Regen nachließ, entschlossen wir uns wie vorgesehen durch das stille Tal der Kainisch zunächst zum gleichnamigen Ort zu wandern. An der Abzweigung unseres Weges in Kainach verdeckte ein Lieferfahrzeug unser Wegzeichen in Richtung Wonsees, so dass wir erst später über einen Waldweg die Jurahochfläche erreichten. Der Blick auf die Burg Zwernitz in Sanspareil und der Kirchturm von Wonsees weisen unseren weiteren Weg. Gegen 13 Uhr waren wir dann in Wonsees. Da es immer leicht regnete, entschlossen wir uns, Sansparail nicht mehr anzulaufen und machten zum Mittagessen Station in der Gastwirtschaft und Metzgerei Tauer in Wonsees. Der Ort wurde im Jahr 1969 als "Deutschlands schönstes Dorf" ausgezeichnet. Neben einem guten Essen wurde als besonderer Service auch das Trocknen von durchnäßten Hemden in der Wäscheschleuder angeboten. Nachdem der Regen aufgehört hatte, marschierten wir in Richtung Kainach - bis dorthin auf nicht markiertem Weg - und durch das Kainachtal wieder nach Hollfeld, Rückkunft nach 16 Uhr. Das Abendessen war in einer Pizzeria vorgesehen, die uns aber nicht zusagte, weshalb wir eine andere Gastwirtschaft aufsuchten, mit gutem Essen und Getränken. Nach Rückkunft in unser Hotel noch bis 21 Uhr nach den Regeln der "Altmumbacher Würfelschule" gespielt und dann zu Bett. Wenn wir auch heute unser Halbtagesziel "Sanspareil" nicht erreichten - von dort sollten wir wieder nach Hollfeld laufen - waren wir alle froh, dass wir am Nachmittag ohne Regen wieder unser Quartier erreichten.

Freitag, 18.05.01, bedeckt, ab 11 Uhr Regen bis zum Ziel.

Mit Sonne verlassen wir Hollfeld. Ein Feldweg bringt uns zum Rastplatz "Bei den Drei Kreuzen". Durch Hochwald erreichen wir bald das Flüsschen Aufseß, lassen Sachsendorf auf der linken Seite liegen und gelangen nach Neuhaus. Am ersten Haus mit einem sehr gepflegten Garten erzählte uns die Frau, dass das Örtchen wenige Einwohner und keinen Busanschluss zu den Nachbardörfern habe. Die jungen Einwohner arbeiten alle auswärts, so dass die frühere Landwirtschaft nicht mehr so intensiv betrieben wird. Beim Gasthaus zum Mühlengrund, das wir vom dritten Wandertag her kennen, steigen wir nach Schloss Oberaufsees hinauf. Es kann leider nicht besichtigt werden. Über eine zum Schoss gehörende "Lindenallee" erreichen wir bald den 1883 erbauten Hugoturm, der leider wegen Baufälligkeit nicht bestiegen werden kann. Durch den Aufsesser Forst und am alten Judenfriedhof vorbei abwärts erreichen wir Heiligenstadt. Auf einem Wanderweg, der auf einer ehemaligen Bahntrasse gebaut wurde, waren wir gegen 14 Uhr im Ortsteil Traindorf in unserem heutigen Quartier. Nach einer wärmenden Tasse Kaffee - leider gab es keinen Kuchen - duschen und schlafen bis 17 Uhr. Zwei Wanderer bleiben im Quartier, der Rest geht nach Heiligenstadt zum Abendessen. Nach Rückkehr gab es noch drei Würfelspiele und dann gegen 21 Uhr zu Bett. Im Haus sind noch zwei Ehepaare einquartiert, die jedoch nicht störten, obwohl das Haus sehr hellhörig ist.

Samstag, 19.05.01, bedeckt, zeitweise Regen.

Frisches Obst - u.a. Erdbeeren - standen heute am Frühstücksbuffet, eine runde Sache. Abweichend von der Wegbeschreibung gehen wir über Dürrbrunn, einem Dorf mit knapp 300 Einwohnern, ohne Metzgerei, ohne Laden, aber mit einem umfangreichen Neubaugebiet. Ein Rentner erzählte uns, dass die Baulandpreise unter 30,-- DM/qm liegen und die Neubürger alle auswärts arbeiten. Ab Dürrbrunn laufen wir auf einer Forststrasse bis zu einer Wegkreuzung, erreichen dort die Markierung roter Punkt, der uns unterhalb des Schneeberges zu den "Erfrorenen Kindern" führt. An diesem Punkt sind laut Gedenkstein im Jahre 1993 Schulkinder auf dem Weg zur Schule erfroren. Abwärts geht der Weg und bald sind wir in Unterleinleiter. Dort wollten wir Mittagessen, die Gastwirtschaft hat jedoch bis Anfang Juni geschlossen. Im Ortsmittelpunkt an der Leinleiter Mittagspause. Anschließend ging es über 75 Treppenstufen und dann weiter steil aufwärts zum Klebe- und Hummerfelsen. Von dort gab es zunächst einen schönen Tiefblick nach Unterleinleiter und dann nach Streitberg in das gesamte Wiesenthal. Durch die Wolfsschlucht ging es etwa 200 m hinunter nach Streitberg, wo wir am vergangenen Montag unsere Wanderung begonnen hatten. Unser Gepäck war inzwischen auch angekommen, Schuhe putzen, duschen und bald war Zeit zum Abendbrot. Inzwischen haben wir am Fernsehen erfahren, dass der FC Bayern erneut Deutscher Fußballmeister geworden ist. Eine schöne Wanderwoche ist zu Ende, wenn auch das Wetter in diesem Jahr nicht so war, wie wir es uns gewünscht hatten.

Sonntag, 20.05.01, sonnig, warm.

Der Wirt hatte uns gestern Abend angeboten, bereits um 7.30 Uhr zu frühstücken, weil ein Gesangsverein, der ebenfalls im Hause übernachtete, um 9 Uhr zur Messe in Ebermannstadt singen solle. Welche Enttäuschung: der Wirt hat verschlafen, die Oma sorgte dann für das Frühstück, das wir dann in Etappen ab kurz nach 8 Uhr erhielten. Da wir das Gepäck bereits verladen hatten, fuhren wir nach 8.30 Uhr weg und nach einem Tankstopp vor Ebermannstadt erreichten wir alsbald die Autobahn. Ohne Stau und ohne Laster waren wir kurz nach 11 Uhr in Laubenheim.

Georg Steffen
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