Zweite Sanierungsphase

2014: Erster Bauabschnitt

Am 1. Mai 2014 begann das Unternehmen „Zweite Sanierungsphase Kaunergrathütte“ mit dem 1. Bauabschnitt. Es galt, die einsturzgefährdete Außenwand an der Südseite zur Sonnenterrasse zu stabilisieren und teilweise neu aufzubauen. Dazu musste der alte Gastraum total auseinander genommen werden: Fußboden, Fenster und Ofen raus, Decke runter und Wandverkleidung ab. Das brauchte kräftiges Anpacken. Auf den Helferaufruf im letzten Sektionsheft hatten sich 45 ehrenamtliche Helfer gemeldet. Ein in diesem überragenden Ausmaß nicht erwartetes Ergebnis! Respekt und vielen herzlichen Dank liebe Freunde der Kaunergrathütte! Zusammen mit den Fachleuten Marcin Piron und Paul Litschke von der Karl Gemünden GmbH & CO.KG wurde mit dem Helikopter und einem Teil des benötigten Materials und Werkzeug hinauf zur 2.817 m hoch gelegenen Kaunergrathütte geflogen, mitten in den Tiefschnee der Ötztaler Alpen. Die nächste Gruppe an Helfern versuchte mit Schneeschuhen den Anstieg zur Hütte zu meistern. Für die mit 3,5 Stunden bemessene Strecke brauchten sie 8 Stunden. Oben angekommen waren sie völlig erschöpft.

Die erste Phase des Bauabschnitts war der Außenwandstabilisierung und des teilweisen Wandneuaufbaus gewidmet. Dies forderte unsere Bergfreunde bis an ihre Grenzen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. „Die Mauer steht jetzt für die nächsten hundert Jahre“, so Polier Marcin Piron. An diesen Arbeitsgang, der etwa 10 Tage in Anspruch nahm, schlossen sich das Fertigen des neuen Fußbodens im Gastraum, Wanddämmungsarbeiten, Holzschleifarbeiten, Decken- und Wandmontage sowie Streicharbeiten an. Besonders die Holzschleifarbeiten machten sehr viel Mühe. Elektroarbeiten und das Setzen des neuen Gastraumofens rundeten den ersten Bauabschnitt ab. Die Südaußenwand und der Gastraum der Kaunergrathütte, der anstelle einzelner unbequemer Bierbänke noch neu bestuhlt, mit einem neuen Fußboden und schönen Ofen versehen wurde, zeigen sich jetzt von einer noch schöneren Seite. Unserer Sektion war bei allem aber daran gelegen, das äußere und innere Erscheinungsbild unserer alten, einfachen, sympathischen und liebenswerten Kaunergrathütte hoch in den Ötztaler Alpen zu erhalten. Und genau das ist es, was unsere Berghütte am Kaunergrat abseits von jeglichem Touristentrubel bei den echten Bergfreunden so beliebt und anziehend macht. Neben der überaus gelebten und beliebten Gastfreundlichkeit unserer Hüttenwirtsfamilie Dobler ist es unser Markenzeichen, unser Hüttenimage, das es stets zu pflegen gilt.

Manfred Neuber

2015: Bauphase zwei erfolgreich abgeschlossen

Wer von Plangeroß kommend hinter der Einmündung des Cottbuser Höhenweges das Schild „Noch 353 m“ (bis zur Kaunergrathütte) liest, kann jetzt mühelos über einer Kuppe den hellen Holzaufbau erkennen. Auf dem alten Hüttenvorbau ist, eindrucksvoll und harmonisch das Gesamtbild der Hütte bereichernd, ein neues Stockwerk entstanden, das der Pächterfamilie und dem Personal angemessene Unterbringungsbedingungen incl. Sanitärbereich bietet. Wer diese ohne Pause fordernde und über 3 Monate andauernde Arbeit weit von den Annehmlichkeiten des Tals heute noch auf sich nimmt, hat schon ein wenig Komfort verdient.

Auch vom Madatschjoch zur Nordseite der Hütte absteigend bietet sich dem Betrachter eine gelungen eingefügte Ergänzung zum alten Bauwerk. Und die früher im Freien gelagerten, zum Abtransport bestimmten Behälter, Fässer, Müllsäcke werden künftig nicht mehr den Eindruck trüben. Der früher schon beim Betreten der Hütte auffallende so lästige Geruch der Toiletten ist Vergangenheit. Durch eine leichte Versetzung nach Außen ist mehr Raum für eine neue Toilettenanlage samt moderner Entlüftungstechnik und je ein Vorraum mit Waschbecken entstanden. Für die nassen Schuhe und Kleidungsstücke steht nun je ein großzügig ausgelegter Trockenraum bereit. Der Vorraum vor der alten Gaststube hat sich ebenfalls verändert. Besonders die völlig neue und verbreiterte Treppe zu den Schlafräumen fällt auf: kein kaminartiger Anstieg mit klemmendem Rucksack auf abschüssigen Stufen mehr. Sicherheit muss sein, auch auf alten Hütten. Die Gaststube selbst hingegen vermittelt dann wieder das gewohnte Bild von der urigen Gemütlichkeit, die den besonderen Charme der Kaunergrathütte ausmacht.

Durch den Umbau des Vorgebäudes konnten davor zwei weitere 2 – 3 Bettzimmer eingerichtet werden, die dem steigenden Bedarf an mehr individueller Unterbringung Rechnung tragen. Zwischen den Zimmern auf einer gut 10 qm großen Fläche fallen Bänke an den Wänden, ein aufklappbares Bord für Laptop und Beamer sowie eine Leinwand an der Decke auf. Hier ist endlich der gewünschte Seminarraum entstanden. Kein Kampf mehr mit der Hüttenwirtin, wenn abends im früher dafür entfremdeten Gastraum 2 eingedeckt werden muss.

Es gibt noch einige offene wie versteckte Neuerungen: die erweiterte Photovoltaikanlage für eine bessere und umweltfreundliche direkte und indirekte Energieversorgung, das neugestaltete umfassende Lebensmittellager, das keine weiten Wege mehr erfordert, viele dringend nötige neue Stromkabel. Durch die hervorragende Arbeit unseres Bauplaners und -leiters, die Solidarität unserer Pächter während der sehr intensiven Bauphase, die engagierte und fachlich hervorragende Arbeit unserer Handwerker und die großzügige finanzielle Unterstützung des DAV Dachverbandes ist es gelungen, die „alte“ neue Kaunergrathütte gerade noch rechtzeitig Ende Juni 2015 wieder voll in Betrieb zu nehmen. Der großartige Zuspruch (huettentest.de: Note 1,37!) und die nach vorläufigen Berechnungen höchsten Nächtigungszahlen (trotz der kürzeren Saison) sind ein verdienter Lohn für den Einsatz aller Freiwilligen und des Projekt-Teams. Die Sektion Mainz des DAV freut sich, dem Bergsteiger eine Hütte in so exponierter Lage bieten zu können, die gleichzeitig den zeitgemäßen Anforderungen einschließlich einer hervorragenden Bewirtung gerecht wird und die den Charme einer urgemütlichen alten Berghütte bewahrt hat.

Der DAV Mainz und das Hüttenteam freuen sich auf Ihren Besuch.

Erik Nötzold

2016: Kaunergrathütten-Sanierung auf der Ziellinie

Mit den neuen Fenstern im Herren-Waschraum und den Trockenräumen, dem Einbau der Fensterbänke im Gastraum 1, vor allem aber mit der Errichtung des Holzschuppens bergseits hinter der Hütte sind die wesentlichen verbliebenen Baumaßnahmen abgeschlossen. Zudem wurde durch den begeisternden Einsatz der Teilnehmer am diesjährigen Mainzer Wochenende a) der behördlich angeordnete erste Schritt zur weiteren Zulassung der Abwasseranlage und b) durch die vor allem vom DAV geforderte Säuberung des Umfelds der Hütte der letzte große Schritt zur Erteilung des Umweltgütesiegels getan. Wie es scheint wird dies auf der Hauptversammlung des DAV im November verkündet. Besonders wichtig war dazu der Bau des neuen Holzschuppens. Einerseits wurde so das alte Holzlager entlastet und dort „küchennah “der nötige Platz für die Einlagerungen von Getränken und Lebensmitteln geschaffen. Andererseits bietet er genügend Raum für einen Großteil des vielerorts um die Hütte herumliegenden Bauholzes, für zum Abtransport bestimmte Säcke und Gebinde und andere Gerätschaften, die früher den Blick auf die Rückseite der Hütte und das Wintergebäude beeinträchtigten.

Aber keine Sorge: Zu werkeln wird es auch in Zukunft immer wieder etwas geben und Eure Hilfe dabei ist stets willkommen.

Text: Erik Nötzold, Fotos: Florian Gferer