Orientierung mit GPS-Geräten (7. - 8. Oktober 2016)

Orientierung 4.0

Ich möchte in diesem Bericht nicht näher auf die grundsätzliche Frage eingehen, ob das Navigieren mit Karte oder mit einem GPS Gerät besser oder sinnvoller ist. In einer der letzten DAV-Zeitschriften ist näher auf diese Frage eingegangen worden. Die Teilnehmer des Kurses haben sich also für eine Navigation mittels GPS entschieden. Da solche Geräte weitaus komplexer sind als ein typisches "Navi" im Auto, macht ein Kurs, der einem ein solches Gerät näher bringt, durchaus Sinn. Natürlich gibt es diverse Begleitliteratur, es ist aber immer angenehmer, sich ein solches Gerät von einem Profi erklären zu lassen.

Angeboten wurde also ein Kurs, an dem man sein GPS-Gerät in Theorie und Praxis kennenlernen und nutzen lernen konnte. Dieser Kurs war unterteilt in zwei Module, einem Theorie-Modul und einem Praxis-Modul.

Nach einer sehr netten Begrüßung durch unsere Kursleiterin Erika (irgendwie kannte sich jeder), einer kurzen Wartezeit bis alle da waren, ging es dann am Freitagabend mit dem Theorieteil los.

Modul 1 bestand aus einer kleinen Einführung, wie GPS genau funktioniert und welche Kartensysteme verwendet werden. Jeder Teilnehmer hat anschließend die Grundeinstellungen seines Gerätes kennengelernt (und das sind sehr viele), wie zum Beispiel das Einstellen der korrekten Batterietypen (!!!) oder des korrekten Kartensystems! Darauf folgend ist Erika noch auf die digitalen Karten eingegangen und auf den Unterschied zwischen einer Raster- und einer Vektorkarte, welche Karten käuflich zu erwerben sind und welche, die frei erhältlich sind (OSM-Karten). Zu guter Letzt ging es dann noch um die Kernelemente einer GPS Navigation. Was sind Wegpunkte, Tracks und Routen und wie erstelle ich sie?

Nach diesem Input- Marathon, der aber sehr lehrreich und abwechslungsreich war, ging es dann am nächsten Tag mit Modul 2 weiter, dem Praxisteil im Gonsenheimer Wald (dem GOWA, wie ich gelernt habe) bei -10 °C!

Am zweiten Tag des Kurses trafen wir uns morgens vor der Vierzehn-Nothelfer-Kapelle im Gonsenheimer Wald (dem GOWA). Trotz Minusgrade war die Stimmung sehr gut. Als erstes hat uns Erika ein kleines "Handout" ausgeteilt. Nachdem alle anwesend waren ging es los. Was erst als Aufwärmübung oder Aerobic für das GPS-Gerät aussah, entpuppte sich als ein sehr wichtiger Bestandteil der korrekten GPS Navigation. Das Kalibrieren des eingebauten Kompasses! Dies wurde durch eine langsame Drehung in der XYZ-Achse bewerkstelligt. Danach ging es zur Feststellung des Satellitenempfangs. 13 Satelliten sollten reichen damit ich navigieren kann (für eine korrekte und genaue Navigation reichen 4 Stück). Nach der anschließenden Anpassung des Reisecomputers und der Kartenansicht (auch hier kann man sich das Gerät komplett personalisieren und für seine Zwecke einrichten) wurde erst mal die Trackaufzeichnung aktiviert. Die Trackaufzeichnung dient hierbei dazu, seine gelaufene Strecke vom GPS-Gerät aufzeichnen zu lassen, um diesen Track anschließend im Programm "BaseCamp" zu verwalten und evtl. zu bearbeiten. Nach dieser Aktivierung markierten wir den ersten von insgesamt 6 Wegpunkten. WP1-KAP GOWA, unseren aktuellen Standort und Startpunkt.

Diese im GPS-Gerät gespeicherte Position kann später problemlos wiedergefunden werden. Durch Drücken der "Mark" Taste öffnet sich ein Datenfeld mit sämtlichen Informationen der aktuellen Position. Dies ist auch nützlich um Rettungskräfte zu einer Unfallstelle zu führen.

Von der Kapelle aus ging es über die kleine Fußgängerbrücke (WP2), an der Franz-Stein-Hütte (WP3) und dem Lennebergturm (WP4) vorbei zum Schloss Waldthausen (WP5). Währenddessen hat uns Erika immer mit nützlichen Tipps zur Navigation versorgt. Das Schöne an diesem Praxisteil war, dass man sich während der kleinen Wanderung sofort angefangen hat zu unterhalten und schnell Anschluss gefunden wurde.

Am Schloss angekommen ging es um die nächste nützliche Funktion, "Peilen und los". Hierbei wird ein Objekt in Sichtweite angepeilt und die Richtung markiert, um anschließend mit dem Kompass in diese Richtung zu navigieren. Vorteil ist, dass die Richtung zum angepeilten Ziel auch dann gehalten wird, wenn die Sicht verloren geht. Nach dieser Lektion gab es erst mal zum Aufwärmen einen kleinen "Gipfelschnaps", bevor es danach wieder Richtung Kapelle ging. Auf dem Weg zurück haben wir noch unseren letzten Wegpunkt gesetzt (WP6) und die Funktion "TracBack" ausprobiert bzw. gelernt, dass es sie gibt. Mit dieser Funktion hat man die Möglichkeit seinen aufgezeichneten Track zurückzulaufen. Nützlich ist dies, wenn man in Nebel oder Schneetreiben gerät und man zum Ausgangspunkt zurückfinden möchte. Zum Glück hatten wir an diesem Wochenende strahlenden Sonnenschein und wussten daher immer wo wir sind.

Wieder an der Kapelle angekommen, hat uns Erika noch gezeigt wie der Track gespeichert wird und hat uns auch angewiesen (und das ist ganz wichtig) die Trackaufzeichnung wieder auszuschalten! Wenn man das nicht macht, zeichnet das Gerät fröhlich weiter auf.

Anschließend fuhren wir gemeinsam ins DAV-Haus nach Mombach. Nach einer leckeren Pizza und einem wärmenden Tee ging es noch um den aufgezeichneten Track, der in "BaseCamp" bearbeitet wurde. Hier wurde aber eher grob auf das Programm eingegangen, da der Stoff alleine einen kompletten Kurs füllen würde. Die Zeit verging wie im Flug und da war der Kurs auch schon wieder rum.

Fazit

Wie anfangs schon erwähnt kann man sich natürlich auch alles selber beibringen. Ich bin aber davon überzeugt, dass dies aufwändiger ist und es länger dauert um ein Erfolgserlebnis zu erhalten. Gerade bei einem solchen komplexen Gerät wie einem GPS, kann ich mir vorstellen, dass man hier schnell die Motivation und die Lust verliert. Da der Kurs an Anfänger gerichtet war, wurde alles in Ruhe durchgesprochen und eingestellt. In der Gruppe hat dies auch immer sehr viel Spaß gemacht und die Stimmung war immer top. Ich persönlich fand den Inhalt sehr, sehr lehr- und abwechslungsreich und kann den Kurs auf jeden Fall weiterempfehlen. Wenn man die ersten Einstellungen vorgenommen hat und sich ein bisschen mit dem Gerät vertraut gemacht hat, sind Alleingänge mit Routenplanung sehr schnell möglich. Ich habe seit diesem Kurs das GPS-Gerät fast immer dabei, wenn es raus geht, und es macht sehr viel Spaß damit zu arbeiten.

Verfasser: Matthias Noll

Kursteilnehmer: Simone Schneider, Christina Brugger, Karin Eckert, Nancy Münch, Jürgen Riplinger, Rainer Henrich, Thomas Brugger

Kursleitung: Erika Schüller