Naturschutz

Naturkundlich orientierte Wanderungen – für ein tieferes Naturverständnis

Naturkundlich orientierte Sonntags- wie Mehrtageswanderungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie Interessierten ein tieferes Naturverständnis ermöglichen. Das Erkennen und Verstehen von einfachsten ökologischen Zusammenhängen in der Natur steht dabei im Vordergrund.

Die möglichen Themen ergeben sich automatisch am Wegesrand: Was sind Nahrungsnetze im Tierreich? Welche Aufgaben erfüllt unser Multi-Talent Wald? Wie sieht naturnaher Waldbau aus? Was ist dran an dem „Geheimen Leben der Bäume“? Welche Kulturfolger im Tierreich besiedeln immer mehr unsere Städte? Und letztlich: Wie gehen wir mit unseren „Heimkehrern“ Luchs und Wolf um?

Mit dem Wissen um diese Zusammenhänge entsteht auch ein respektvolles Miteinander aller Beteiligten am „Naherholungsraum vor der eigenen Haustür“. Dazu zählen die erholungssuchenden Waldbesucher ebenso wie die Waldbesitzer und vereinzelt auch die Jagdausübungsberechtigten.

Naturkundlich orientierte Wanderungen richten sich an alle Interessierte, die ihre Feldfluren und Waldwege vor der eigenen Haustür wertschätzen und lieben. Letztlich geht es bei diesen Wanderungen um mehr Wahrnehmung für unseren Lebensraum. Vielleicht, um auch beim Wandern durch die Natur „nicht alles ganz so wichtig zu nehmen“...

Inhalte von „Naturkundlich-orientierten Wanderungen“ des DAV Mainz (bei Tages- und Wochenwanderungen)

In den 5 Umweltzielen des DAV Mainz ist die Vermittlung von ökologischen Zusammenhängen in der Natur erwähnt bzw. gewünscht. Diesem Wunsch wird seit vier Jahren mit „Naturkundlich-orientierten Wanderungen“ entsprochen.

Folgende Themen werden, soweit dies immer vor Ort passt, behandelt:

  • Biodiversität und Artenvielfalt
    • Natürliche Lebensabläufe in Feldflur und Wald
    • Nahrungspyramiden bzw. Nahrungsnetze erkennen und verstehen
    • Stabilisierung der Ökosysteme durch Artenvielfalt
  • Unser Naherholungsraum vor der eigenen Haustür - Basiswissen Wald
    • Wunderwerk Ökosystem Wald
    • Die 5 Funktionen des Waldes
    • Formen der Waldbewirtschaftung - Altersklassenwald versus Plenterwald
    • Grundprinzipien des naturnahen Waldbaus
    • „Das Geheime Leben der Bäume“
  • Schutz von Lebensräumen
    • Zunehmender „Freizeitdruck“ im Wald - direkte Auswirkungen auf das Ökosystem
    • Erholungssuchende Waldbesucher versus Waldeigentümer (und Jäger)
    • Schutz von Lebensräumen durch Rechtsverordnungen und Naturschutzgesetze
    • Was unterliegt dem Naturschutzrecht?
    • Wieviel Jagd benötigen wir überhaupt?
    • Prädatoren-Monitoring: Wolf, Luchs, Wildkatze - heutige Chancen unserer „Rückkehrer“, Artenschutz zwischen Romantik und Wirklichkeit
  • Unsere Naturschutzgebiete – Besonderheiten u. a. in den Kern-, Pflege- und Entwicklungszonen von: 
    • Nationalparks
    • Biosphärenreservaten
    • Naturschutzgebieten
    • Naturparks
    • Landschaftsschutzgebieten

In 2019 wird es wieder Natur-Erlebnis-Wandertage geben. Vom 18. bis 23. Juni geht es für 5 Tage in den Nationalpark Harz. Wanderungen auf dem Luchsweg, dem Baumwurzelpfad, dem Grenzweg sowie auf den Brocken werden uns die Natur in diesem weniger bekannten Teil näherbringen. Die Anreise erfolgt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Näheres sowie Infos sind der Tourenausschreibung zu entnehmen.

Unser Naherholungsraum Wald in Stichworten

Deutschland

  • hat ca. 82 Mio. Einwohner
  • 1/3 der Gesamtfläche sind dem Naturschutz unterstellt (in Landschafts- und Naturschutzgebieten)
  • ist zu 30% von Wald bedeckt (Rheinland-Pfalz und Hessen je 44 %)
  • ist das höchstindustrialisierte Land Europas
  • hat die saubersten Fließgewässer
  • hat in Europa die strengsten Naturschutzgesetze bzw. Rechtsverordnungen und damit die größte Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen

Der Wald

  • gehört zu 48% privaten Bürgern (Privatwald), zu 29% den Ländern (Staatswald/ Staatsforst), zu 19% den Kommunen (Gemeindewald) und zu 4% den Religionsgemeinschaften (Kirchenwald)
  • wird seit ca. 200 Jahren nachhaltig genutzt (mehr Zuwachs als Ernte)
  • wird nach den Regeln des Waldgesetzes bewirtschaftet
  • erfüllt 5 wichtige Funktionen: Wasser- und CO2-Speicherung (Luftreinhaltung), Holzlieferant, Erholungsraum sowie Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen

Naturnaher Waldbau

  • ist heute die gängigste Bewirtschaftungsform
  • ist deutlich günstiger und stabiler als angelegte Forstkulturen
  • verlangt in einzelnen Bereichen einen Einzel- bzw. Flächenschutz
  • alle 15 Jahre wird der Holzzuwachs statistisch erfasst
  • „Zeigerflächen“ belegen den Grad des Verbisses bzw. der Schädigung der Naturverjüngung durch das Schalenwild

Totholzbäume

  • sind kartiert
  • tragen in hohem Maße zur Artenvielfalt bei. Sie bieten Höhlenbrütern optimale Nistmöglichkeiten: Spechtarten, Hohltaube, Schleiereule, Waldkauz, Waschbär, Baummarder, Siebenschläfer, Fledermäusen, Bienen, Insekten etc.

Liegendes Totholz

  • trägt maßgeblich zur Stabilität des Ökosystems Wald bei; Humuseintrag sowie Lebensraum für die 4- bis 6-jährige Entwicklung der vielen Nützlinge = Artenvielfalt

Werner Both, Referent für Naturschutz