Tannheimer Berge | © DAV Mainz / Tourengruppe Tannheimer Tal (03.-07.09.2025)

Meine erste Tour mit der Sektion Mainz - Bergwandern im Tannheimer Tal

10.12.2025

Das erste Mal mit dem Deutschen Alpenverein (DAV) - genauer gesagt mit "meiner" Sektion Mainz - auf Tour gehen: Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, als ich beschließe mich anzumelden.

Meine auserwählte Tour: "Die schönsten Gipfel und Steige im Tannheimer Tal" vom 3. bis 7. September 2025.

Ich habe noch Fragen und bitte die Tourenleiterin Erika um Rückruf. Der folgt prompt. Eine sympathische und aufgeweckte Stimme macht mir Mut, meine wichtigste Frage zu stellen: Passt mein Alter (61 Jahre) in die Gruppe oder sind alle anderen jünger und damit - wie ich befürchte - vermutlich fitter? Erika kann meine Bedenken schnell ausräumen, und ich freue mich riesig, dass ich den letzten freien Platz erhalten habe.

Warmlaufen am Vilsalpsee

Erika versorgt uns nicht nur beim Vortreffen mit den wichtigsten Informationen, sondern auch via Mail erhalte ich im Vorfeld alle wichtigen Informationen. So fühle ich mich bestens vorbereitet, als wir uns am Mittwoch den 3. September frühmorgens an der vereinbarten Stelle zur Bildung unserer Fahrgemeinschaft treffen. In Tannheim angekommen erstmal ein großes Hallo mit den anderen, die etwa zeitgleich mit uns eintreffen. Ute und ihr Mann Eckart, Pedy, Petra, Volker und Erika kennen sich schon aus unterschiedlichen Zusammenhängen - und ich freue mich sehr darüber, wie herzlich ich als Neuling von allen begrüßt werde.

Die Zeit von Mittwoch bis Sonntag ist knapp, und wir wollen sie nutzen. Also rasch die Wandersachen angezogen und los geht es zum Vilsalpsee. Das tut nicht nur gut nach der Autofahrt, sondern ist auch malerisch schön. Ein Gletscher schürfte ursprünglich eine Mulde an dieser Stelle. Als sich an deren Ende eine Moräne ablagerte, staute diese die beiden Zuflüsse auf - der Vilsalpsee war geboren. Er liegt heute inmitten eines wunderbaren Naturschutzgebiets.

Auf den markanten Aggenstein

Damit sind wir warmgelaufen für den Donnerstag: Von Grän geht es zunächst mit der Gondel zum Füssener Jöchle. Dort erwartet uns ein wunderschönes Panorama - Glück pur. Wir wandern ca. zwei Stunden entlang des Gräner Höhenwegs zur Bad Kissinger Hütte. Klare Luft, schöne Aussichten und eine reiche Vegetation begleiten unseren Weg. Von der Hütte geht es direkt weiter. Wir wollen vor der Rast noch auf den Gipfel. Der 1.985 Meter hohe Aggenstein befindet sich auf der Grenze zwischen Österreich und Deutschland. Nach einiger Zeit bergauf wird es spannend: Wir kommen an eine Seilversicherung. Jetzt heißt es aufmerksam sein: Immer eine Hand am Seil und die Schritte mit Bedacht setzen. Erika geht voran und Ute, als erfahrene Klettererin, übernimmt die Nachhut. Wir anderen in der Mitte fühlen uns gut aufgehoben und sicher. Je länger wir am Seil unterwegs sind, desto mehr steigt die Freude an dem kleinen Abenteuer. Oben angelangt kann ich das Glück des Gipfels kaum fassen: Ein wunderbarer Blick, ausgelassene Stimmung und Dohlen, die unsere Apfelreste aus der Hand fressen. Der Abstieg hat es dann in sich. Mehr als 1.000 Höhenmeter verlangen Gelenken und Oberschenkelmuskulatur einiges ab.

Regentag mit kulturellem Highlight

Eher unfreiwillig bekommen sie am nächsten Tag eine Pause. Es regnet durchgängig. Ein bisschen enttäuscht bin ich schon, die Tour ist eher kurz und ich hätte die Tage gerne voll für Wanderungen ausgekostet. Erika schlägt vor, das Heimatmuseum im nahegelegenen Kienzen zu besuchen. Das Interesse rangiert von groß bis "ok, wenn‘s sein muss". Meines liegt irgendwo dazwischen. Wer hätte gedacht, dass am Ende ausnahmslos alle begeistert waren? Woran es lag? Wir bekamen nicht nur Gegenstände zu sehen, die von einer Zeit erzählen, als das Leben noch ganz anders war. Der 84-jährige Robert Wassermann vom Heimatverein nahm sich unserer für eine spontane Führung an und füllte die Ausstellungsstücke mit Leben. Auf einmal wurde eine Zeit lebendig, die noch gar nicht so lange her ist und in der der kleine Robert Wassermann schon morgens um fünf mit der Milchzentrifuge zu den Höfen lief, um den Fettgehalt der Milch zu bestimmen. Je fetter, desto wertvoller war sie. Eine Zeit, in der es schon Kaffee gab, die Bohnen aber noch auf dem eigenen Holzherd geröstet wurden, bevor sie aufgebrüht werden konnten. Eine Zeit, in der das Brot auf Holzgestellen gelagert wurde, die von der Decke hingen - damit die Mäuse nicht dran kamen. Eine Zeit, die von harter körperlicher Arbeit geprägt war. Eine Zeit, die auch vielen von uns wieder lebendig vorkam - entweder aufgrund eigener Kindheitserinnerungen oder aufgrund der Erzählungen der eigenen Eltern und Großeltern. Viel Gesprächsstoff, der noch bis in den Abend hinein lebendig blieb.

Drei Gipfel mit Drei-Seen-Blick

Zu unserem Glück strahlt am nächsten Tag die Sonne und sorgt so für bestes Wanderwetter an unserem letzten Tourentag.

Auf dem Programm steht die Fahrt mit der Gondel zum Neunerköpfle und von dort über den Premiumwanderweg "Saalfelder Höhenweg" zur Landsberger Hütte und über die Obere Traualpe zurück nach Tannheim. Der Weg ist ein Traum - wunderschöne Ausblicke von den beiden "mitgenommenen" Gipfeln Sulzspitze und Schochenspitze. Und der Kaiserschmarrn auf der Oberen Traualpe ist ein Gedicht.

Unerwartet und anstrengender als der Weg selbst: Die Menge der Menschen, die mit uns unterwegs ist. Der Vergleich zu Ameisenstraße liegt tatsächlich nahe. Auch das ein Erlebnis, das im Nachgang noch für Gesprächsstoff sorgt.

Apropos Gesprächsstoff: Der ging uns nicht aus. Unsere kleine Gruppe hatte schnell zu einem schönen Miteinander gefunden, in dem persönliche Gespräche ebenso Platz hatten wie der Austausch über Vereins- und Bergerlebnisse.

Für mich eine wunderschöne erste DAV-Tour - nicht nur was die abwechslungsreichen Tagesprogramme angeht, sondern vor allen Dingen das Erlebnis der Gemeinschaft in "meiner" Sektion. Ein großes Dankeschön an Erika für die tolle Planung und Leitung und an alle anderen für unser Miteinander!

 

Toureneitung: Erika Schüller
Teilnehmer: Ute Matzel, Eckhard Matzel, Petronella Brugger, Petra Koch, Volker Teipel, Friederike van Roye

Text: Friederike van Roye
Bilder: DAV Mainz / Tourengruppe Tannheimer Tal (03.-07.09.2025)