Winnebacher Weißkogel - Gipfel | © DAV Mainz / Christian Gölz

Skihochtourenwoche Stubaier Alpen

31.12.2025

Der Winter 2024/2025 war sehr schneearm, sowohl in niedrigen Lagen als auch im Hochgebirge. Trotzdem wagten wir uns auf eine Skihochtourenwoche - und um das Fazit vorwegzunehmen: Wir haben das Maximum aus den Verhältnissen herausgeholt. Dank umsichtiger Planung, einer harmonischen Gruppe, Flexibilität und der alle einenden Liebe zu den Bergen hatten wir Ende März 2025 sehr abwechslungsreiche Tourentage.

Aber von vorne ...

Am Ausgangspunkt in Gries im Sulztal waren alle pünktlich und voller Tatendrang. Der Aufstieg zur Winnebachseehütte war tendenziell eher sommerlich - wenig Schnee und Ski, viele Tragepassagen. Dafür bestach die Hütte durch ihr exzellentes Team in puncto Freundlichkeit, Service, Atmosphäre und Hilfsbereitschaft.

Auf den Breiten Grieskogel

Am ersten Tourentag ging es auf den Breiten Grieskogel (3.287 m) - ein ideales Ziel für den Anfang. Überwiegend flach mit nur einem Steilhang. Am Gipfel gab es dann als Belohnung eine fantastische 360-Grad-Fernsicht.

 

Nächster Tag, andere Richtung. Bei bedecktem Himmel ging es nach Südost mit Ziel Furmenteler (3.145 m). Eine andere Gruppe hatte dankenswerterweise das Spuren übernommen, sodass wir wenig eigene Arbeit hatten. Die finalen etwa 200 Höhenmeter waren herausfordernd. Mehr als 50 Grad steil, wenig Schnee auf glattem Felsen, ungespurt und nur bedingt gute Sicht. Drei “Verrückte” mussten schließlich ohne Gipfelerfolg den Rückzug antreten. Der Rest war ohnehin vernünftig zurückgeblieben.

Weiter zum Westfalenhaus

Dritter Tag, Hüttenwechsel. Bei mäßigem Wetter mit nicht vorhandener Sicht versuchten wir den Gipfelanstieg (stapfen in Steigeisen ohne Ski) am Winnebacher Weißkogel erst gar nicht. Stattdessen hatte Uli eine wirklich tolle Souterrain-Unterkunft angelegt.

Das Westfalenhaus war speziell: Anfahrt mit sehr wenig Schnee, gewöhnungsbedürftiger Hüttenwirt, aber tolle Infrastruktur.

 

Am vierten Tag gab es aufgrund des Schneemangels nur ein Ziel: den Längentaler Weißer Kogel (3.217 m). Wir wollten wegen des zunächst schlechten Wetters fast schon umkehren, aber dann riss die Wolkendecke auf und auch die letzten Meter ausgesetzten Gratanstiegs konnten wir als Team bewältigen. Das Gipfelfoto war jede Mühe wert!

Damit aber nicht genug: In der Abfahrt auf dem Längentaler Ferner gab es Bedingungen, wie man sie sich nicht besser wünschen konnte.

Wiedersehen auf der Winnebachseehütte

Der letzte Tag wurde lang und hielt manche Überraschung bereit - wenig Schnee und Hitze im Aufstieg zum Winnebachjoch. Dann weg mit überflüssigem Equipment und erneuter Aufstieg zum Winnebacher Weißkogel. Skidepot angelegt und im Gänsemarsch den „Hügel“ rauf. Franz Josef und Reiner bildeten dabei ein über jeden Zweifel erhabenes Sicherungssandwich. Unsicherheit im Steilgelände konnte so gar nicht erst aufkommen. Ausblick, Sicherheit und Wohlfühlen waren daher bei mehr als 100 Prozent.

Die Abfahrt war lohnend und das Ankommen (bzw. die Wiederkehr) auf der Winnebachseehütte wie ein Familientreffen. Die Menschen machen eben den Unterschied. Wer dort noch nicht war: Unbedingt zeitnah nachholen!

Es fehlte und folgte der Rückweg zu den Autos. Gruppenteilung und am Ende die Frage, wer sich für den vernünftigeren Weg entschieden hatte: Die einen zu Fuß über den Sommerweg mit den Skiern am Rucksack, die anderen wechselweise Ski tragend und Ski fahrend, durch Latschen und Findlinge kämpfend, über Gebirgsbäche balancierend, Stürze mannigfaltig und kurios, und am Ende auch zu Fuß.

Das Fazit: positiv

Die Stimmung war bis zuletzt hervorragend, ernsthafte Schwierigkeiten gab es nicht, die Tourenplanung hatte fast durchgehend geklappt.

Der Verfasser möchte sich sehr herzlich bei der gesamten Gruppe für die tolle Kameradschaft, die erlebnisreichen Tage, den Zusammenhalt und die fantastische Zeit in den Bergen bedanken.

An unseren Gruppenleiter Reiner Lechner geht zum Abschluss der ebenso herzliche Dank für eine abwechslungsreiche Tourenwoche. Du hast uns mit deiner umsichtigen und entspannten, humorvollen und souveränen Art einzigartige Momente in den Bergen ermöglicht.

 

Text + Bilder: Christian Gölz