Alpenüberquerung / E5

Ein Holz-Brunnen in den Bergen | © DAV/Marcel Dambon
© DAV/Marcel Dambon

Eine Alpenüberquerung zu Fuß ist ein faszinierendes Erlebnis. Unsere Sektion bietet auf dem berühmten Fernwanderweg E5 von Oberstdorf nach Meran eine Variante über unsere beliebte Kaunergrathütte.

Wir möchten Ihnen auf dieser Seite Tipps zum Wandern im Hochgebirge und speziell auf den Etappen des E5 geben. Natürlich bieten wir auch mehrtägige Wandertouren auf den schönsten Abschnitten des E5 an.

Termine ganz am Ende dieser Seite!

Europawanderweg E5

Die Faszination des Bergwanderns und Bergsteigens lockt jährlich viele Menschen nahezu jeden Alters in die Berge. Und erst einmal Gebirgsluft richtig geschnuppert, wird sehr schnell ein Wunsch zum Ziel: Einmal zu Fuß über die Alpen! Dabei dominiert die Nord-Süd-Richtung. Nicht erst in jüngster Zeit, sondern von jeher gab es dieses Begehren. Wenngleich auch andere Motive als das Bergerlebnis im Vordergrund standen. Neben gekrönten Häuptern, Handelstreibenden, Jagenden und Soldat*innen haben sich auch Dichter*innen wie Goethe, von Eichendorff, Dürer und andere auf den Weg gemacht und dort geschichtsträchtige Spuren hinterlassen. Heute ist es vornehmlich das Bergerlebnis, das Hunderttausende in die Alpen zieht.

Als meist begangene Nord-Süd-Route hat sich dabei seit Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts der Europawanderweg 5 (E5) manifestiert. Er gehört zum festen Programm und oft gebuchten Angebot zahlreicher kommerzieller alpiner Unternehmen. Zehntausende machen sich jährlich auf diesen Weg.
Der DAV Sektion Mainz ist es gelungen, die Kaunergratvariante als Panoramaroute in den E5 zu integrieren; sie hat seit 2010 in einem mehrjährigen Projekt den E5 in ihr ständiges Wegeangebot aufgenommen.

Empfohlene Wanderführerliteratur:

  • Fernwanderweg E5, Stephan Baur, Dirk Steuerwald, Rother Verlag
  • Fernwanderweg E5, Robert Mayer, Bruckmann Verlag
  • Europäischer Fernwanderweg E5, Veit Metzler, Kompass Verlag
  • Via Alpina, Gelber Weg, Evamaria Wecker, Bruckmann Verlag

Lektüre zum Fernwanderweg E5

  • "Als Frau alleine über die Alpen", Meike Moshammer (Verlag Haag+Herchen GmbH, ISBN 978-3-89846-790-2)

Charakteristik eines langen Weges

Fernwanderungen und Alpenüberquerungen stoßen auf immer größeres Interesse. Nicht jede*r Interessierte ist in der Lage, vorab den Anspruch des langen Weges einzuschätzen. Der folgende Beitrag soll in einer Kurzfassung die Charakteristik des E5 aufzeigen, insbesondere den Wegverlauf über Gebirge, Täler, Gipfel, Joche und Übergänge. Bewusst wird nicht auf Tages-Gehzeiten und zu bewältigende Höhenmeter eingegangen. Das kann jede*r Interessierte in der Vorbereitung auf die Tour gerne den Internetpräsentationen oder der Wanderführerliteratur entnehmen. Wer sich für die E5-Angebote der DAV Sektion Mainz entscheidet, erfährt alle Einzelheiten in den Tour-Vorbereitungen der jeweiligen Gruppe.

Allgemeines zur Alpenüberquerung via Süden

Der Weg über die Alpen von Nord nach Süd war schon immer sehr begehrt. Waren es früher Jäger*innen, Handetreibende und Wallfahrende, lockte später der Süden auch bedeutende Menschen wie Goethe, von Eichendorff oder Dürer über die Alpen. Sie haben auf ihrem Weg Spuren hinterlassen. Das europäische Zentralgebirge, das Dach Europas, bildet eine gewaltige natürliche Barriere. Sie zu überwinden fordert Mut, Kraft und Ausdauer. Oft mit gewaltigen Anstrengungen verbunden, erweisen sich die Alpenüberquerungen gen Süden immer wieder als großes Sehnsuchtsziel für den Menschen. Daneben bieten sie auch eine gute Gelegenheit, Stress und die Hektik unseres modernen Lebens abzulegen und die dadurch eingeengte Sichtweise auf die lebenswerten und schönen Dinge neu auszurichten. Alpenüberquerungen sind eine gute Gelegenheit, sich wieder selbst zu finden.

Der E5 von Oberstdorf nach Verona ist ein durchgehend alpiner Wanderweg. Seine Sicherheit setzt, wie überall im Gebirge, angepasstes sicheres Verhalten der Wanderer voraus. Für den Einzelnen ist es dabei von großem Vorteil, in einer mit Bergkompetenz und Erfahrung geführten Gruppe einer Alpenvereinssektion oder Bergsteigerschule zu gehen. Zum Beispiel mit der DAV Sektion Mainz, die jährlich ein umfassendes E5-Programm anbietet. Es hat bisher von Jahr zu Jahr steigendes Interesse gefunden.

E5-Konzept der DAV Sektion Mainz

Die Alpenüberquerung beginnt für die meisten Wandernden in Oberstdorf. Eine von der Masse der Wandernden äußerst beliebte Variante führt in 6 Tagen nach Meran. Sie wird vom weitaus größten Teil der Bergwander*innen bevorzugt. Schade, denn sie versäumen viel. Die Alpen hören in Meran nicht auf und sie bieten so viel mehr. So bleibt die 6-Tageversion eben auch nur eine Variante. Eine Alpenüberquerung von Nord nach Süd ist mehr. Sie geht, wie das Wort es unmissverständlich ausdrückt, vom Beginn der Alpen bis zu deren Ende.

Wer die Tour in der Nord-Süd-Richtung über die Alpen in Meran beendet, hat das Dach Europas nicht überquert. Der weitaus größere und eindrucksvollere Teil wird ausgelassen. Schade, denn es wird viel versäumt! So bleibt die 6-Tage-Version Oberstdorf – Meran eben nur eine alpine Bergvariante. Fraglos bleiben auf dem Weg nach Süden die Hochalpen zurück. Zwei bis drei Mal werden im Mainzer E5-Programm die 3.000 m überschritten. Und zwar im Madatschjoch (3.030 m), an der Similaunhütte im Niederjoch (3.019 m) und ggf. an der Ötzifundstelle im Hauslabjoch (3.210 m). Offensichtlich zweifeln viele der 6-Tage-Variante-Geher daran, dass der E5 nicht mehr zu bieten hat. Weit gefehlt! Auf der Südseite der Alpen erwarten die Alpenüberquerenden neben weiteren alpinen Höhepunkten vielfältige kulturelle Leckerbissen. Die Landschaften sind bunter, strahlen größere Wärme und auch Schönheit aus. Der gesamte E5 Südteil ist geprägt vom Charme der Südalpen mit durchweg faszinierenden Ausblicken auf die italienischen Dolomitenketten und -gipfel, der „schmackhaften“ Gastfreundschaft der Bewohner*innen Südtirols, des Trentinos, Venetiens und nicht zuletzt vom italienischen Dolce Vita. Anspruchsvolle Felsgebirge stellen sich auch noch in den Weg. Wer die Höhen der herausragenden Gebirgsformationen des Lagoraigebirges, des Monte-Pasubio-Massivs und der Cima-Carega-Gruppe überwunden hat, vermisst wahrlich keine alpinen Höhepunkte. Vor allem aber ist der E5 Südteil bei weitem nicht so überlaufen wie der E5 Nordteil. Die Südalpen mit ihren vielfältigen Eindrücken zu genießen, so lautet das Motto des langen Weges!

E5 Nordteil

Der E5 Nordteil gliedert sich in zwei etwa einwöchige Teilstücke. Einmal in den Weg von Oberstdorf zur Kaunergrathütte/Pitztal und zum anderen in den vom Pitztal nach Bozen.

Von Spielmannsau bei Oberstdorf im Trettachtal folgt der Weg zunächst in den weitgehend engen und steil ansteigenden Sperrbachtobel, vorbei an der Loretto-Kapelle hinauf zur Kemptner Hütte (1.844 m) im Allgäuer Hauptkamm. Sehr schön gelegen inmitten eines anschaulichen Felsenkessels. Schon hier wird so mancher Teilnehmer einen Vorgeschmack auf den Anspruch der bevorstehenden Tourenwoche bekommen haben. Die Charakteristik der Allgäuer Berglandschaft wechselt ab zwischen grünen, sanft geschwungenen und schroffen, felsigen Geländeformen.

Von der Kemptner Hütte führt der Weg zunächst hinauf zum Mädelejoch (1.973 m), der Grenze zwischen Deutschland und Österreich sowie Bayerns und Tirol. Dort ist auch den Übergang vom Allgäuer Land ins Lechtal. Weiter geht es steil hinunter durch das Höhenbachtal, dann gemäßigt über Weideflächen, vorbei am sehenswerten Simms-Wasserfall und, wer will, über Österreichs längste Hängebrücke nach Holzgau (1.103 m) im Lechtal. Der Aufstieg zur Memminger Hütte (2.242 m) entspricht im Charakter und Anspruch etwa dem von Spielmannsau zur Kemptner Hütte. Er führt am Stock des Seekogels entlang, vorbei an einem Wasserfall und etwas später herüber zu der schön gelegenen Hütte inmitten einer Felsenarena im Lechtaler Hauptkamm. Steinböcke und Murmeltiere kann man in der Hüttenregion kaum verfehlen.

Nach der Memminger Hütte überquert der E5 den Lechtaler Hauptkamm. Vorbei an drei Gletscherüberbleibseln, den Seewiseen, verläuft der Weg steil hinauf zum Übergang Seescharte (2.599 m) und hinunter zum Inntal. Hinter der Seescharte erwartet die Wanderer ein schöner, aber mit ca. 1.900 Höhenmetern schier nicht enden wollender Abstieg nach Zams im grünen Inntal. Der anstrengendste Teil liegt mit knapp 2 Stunden am Beginn des Abstieges. Danach geht es moderat weiter hinunter über Weidegebiet und Lärchenwald. Über einen in den Fels gesprengten, aber gut begehbaren Steig an der Felsflanke des "Zamer Lochs"“, der tiefsten Schlucht der Nordalpen, läuft der Abstieg dann zäh in Zams (775 m) aus. Unsere Mainzer Übernachtungsstätte ist die Zamer Skihütte (1.740m), die wir über die Mittelstation der Venet-Seilbahn erreichen.

Den Rest des Seilbahnweges hinauf zum Krahberg (2.208 m) erledigen wir dann am nächsten Morgen. Oben angekommen, führt der Weg über den Kamm des Venet-Gebirges aufwärts bis zu seinem höchsten Punkt, der Glanderspitze (2.512 m). Über steile Grashänge und beweidetes Almengebiet geht es für den heutigen Tag nur noch bergab. Vorbei an den bewirtschafteten Einkehrstätten Galflunalm und der Larcher Alm hinunter zur Pferderanch Neu-Amerika (ca. 1.300 m) nach Piller. Eine leichte Etappe. Sie gilt als Ausruhtag! Gut positioniert vor den anstrengenden weiteren Etappen.

In Piller trennt sich unser Weg von der Busfraktion der 6-Tagegeher nach Meran. Wir gehen die Kaunergratvariante des E5, eines der schönsten Wegstücke im gesamten E5 (E5 Wanderführer Rother Verlag). Von der Pferderanch führt der Weg durch schöne und steile Waldpfade hinauf zur Aifner Alm (1.980 m). Gut geeignet für eine Einkehr. Wir sind im Kaunergrat und in den Ötztaler Alpen angekommen. An der Aifner Alm erfolgt der Einstieg in einen der schönsten Höhenwege der Ötztaler Alpen. Beginnend mit dem Kaunertaler Panoramaweg, weiterführend mit dem Dr. Angerer-Höhenweg via Verpeilhütte. Immer hoch über dem urtümlichen Kaunertal. Faszinierende Weit- und Tiefblicke! Konditionsstarke Bergwanderer können die Etappe zur Verpeilhütte in etwa 10 Stunden zurücklegen. Wir aber teilen die Etappe und steigen an der am Höhenweg gelegenen Falkaunsalm zum unterhalb gelegenen Wiesenhof (1.607 m) oder aber durch den Gallrutt-Wasserstollen ins Kaunertal (1.240 m) zum Übernachten ab. Von dort führt die Tour am nächsten Tag wieder hinauf zur Gsallalm am Höhenweg und weiter an einem rauschenden Gebirgsbach entlang zur Verpeilhütte (2.025 m). Die Alpenvereinshütte der DAV Sektion Frankfurt/Main ist herrlich gelegen an der Scheide zwischen Wald, Alm und Fels.

Spätestens jetzt wird es auf weiterem Pfad wieder einmal hochalpin. Die Grashänge lassen wir bald schon hinter uns. Wir sind im Fels und steuern den hochalpinen Übergang vom Kaunertal ins Pitztal, das Apere Madatschjoch, an. Vorbei an den von der Natur in Jahrtausenden geprägten skurrilen Bergformationen der Madatschtürme und des Verpeilturms folgt das wohl anspruchsvollste Stück des gesamten E5, die Überschreitung des Kaunergrates. Leicht den Gletscher berührend, führt der E5 hinauf, zunächst auf der rechten Flanke, nach der Hälfte auf der linken Flanke einer steilen Rinne, gut versichert zum Aperen Madatschjoch (3.030 m). Im Wechsel, zunächst auf der linken Flanke, dann auf der rechten Flanke der Abstiegsrinne geht es hinunter über einen versicherten Kamin zum Ausstieg aus dem Übergang. Der Kaunergrat ist überquert. Wir befinden uns inmitten einer faszinierenden und einmaligen Hochgebirgsarena. Nach etwa 20 Minuten erreichen wir das Herzstück des Kaunergrates, die Kaunergrathütte (2.817 m). Eine einfache, sympathische Berghütte mit großartiger Atmosphäre und guter Führung in herrlicher Balkonlage. Eine Berghütte, wie man sie sich vorstellt! Hier muss man verweilen und übernachten! Ein Geheimtipp für alle echten Bergfreunde!

Mit dem etwa 2,5-stündigen Abstieg ins Pitztal endet Teil I des E5 Nordteils.

Text: Manfred Neuber, Fotos: Ralph Demuth und Michael Gutmann

Dort wo Teil I zu Ende ging, auf der Kaunergrathütte oder in Plangeroß/Pitztal, startet der Teil II die Fortsetzung der Alpenüberquerung via Süden. Inmitten der Hochalpen, umgeben von einer traumhaften Bergkulisse! Entweder über den anspruchsvollen Cottbuser Höhenweg oder den leichten Weg der Pitze entlang, machen wir uns auf die Tagestour hinauf in die Ötztaler Eiswelt, zum Dach Tirols. Zwei Wegvarianten bieten sich von Mittelberg (1.736 m) an: der Jägersteig oder der Steig am Wasserfall. Häufiger wird an anspruchsvollere, der Jägersteig, begangen. Bald müssen auch hier die steilen Grashänge die Dominanz dem Fels überlassen. Etwa 1 Stunde vor der Braunschweiger Hütte wird hoch über dem Mittelbergferner der erste Gletscherausläufer erreicht. Ein gewaltiger Eindruck! Im Blick und bald oben das Tagesziel, die Braunschweiger Hütte (2.759 m). Ein gewaltiges Eispanorama breitet sich vor dem Auge des Wanderers aus. Greifbar nahe Tirols höchster und Österreichs zweithöchster Berg, die Wildspitze (3.768 m).

Am nächsten Morgen geht es weiter mit einem steilen und kurzen (1 Stunde) Aufstieg zum Pitztaler Jöchl (2.996 m) oder etwas einfacher zum benachbarten Rettenbachjoch (2.990 m). Wir wählen je nach Wegsituation den Weg über das Pitztaler Jöchl. Es bildet den hochalpinen Übergang vom Pitztal ins Ötztal. Vom Joch aus, mit Blick ins Rettenbachtal, steigt der E5 steil ab über ein je nach Jahreszeit und Wetterlage mehr oder weniger großes Gletscherschneefeld zum Restaurant der Skistation des Rettenbachferners (2.684 m). Dort trennt sich endgültig der Weg der 6-Tage-Variante-Geher via Meran von dem der echten Alpenüberquerer. Mit dem Bus durchfahren letztere in knapp 10 Minuten den Rosi- Mittermaier-Tunnel (zu Fuß verboten!) bis zum Tiefenbachferner (2.793 m). In dessen unmittelbarer Nähe mündet der E5 in den Venter Panoramaweg ein. Der Weg wird seinem Namen mehr als gerecht. Panorama nach allen Richtungen! Gut 4 Stunden Fußweg auf zum größten Teil schmalen Steig, hoch über dem Venter Tal, mit großartiger Aussicht vorbei an der Kapelle des Gletscherpfarrers Franz Senn (1831 - 1884) zum Bergsteigerdorf Vent/Ötztal (1.895 m).

Das nächste Tagesziel ist die Similaunhütte, ggf. Vernagt am See im Schnalstal. Durch das lang gezogene Niedertal verläuft der E5 auf breitem Fahrweg zunächst bis zur Martin-Busch-Hütte (2.501 m). Dann wird es nach und nach alpin und hochalpin. Die Strecke hat durchaus historische Bedeutung: Der Fund der Gletscherleiche "Ötzi" 1991 belegt, dass schon 3.000 Jahre vor Christus der Alpenhauptkamm über das gut 3.000 m hohe Niederjoch überquert wurde. Bei gutem Wetter führt uns der Weg in einem Exkurs an "Ötzis" Fundstelle (3.210 m) im Hauslabjoch vorbei. Bei faszinierender Aussicht verläuft der Exkurs nun über einen Grat/Kamm. Er bildet die Grenzlinie zwischen Österreich und Italien sowie Nordtirol und Südtirol. Am Ende des Bergrückens treffen wir auf die höchstgelege Hütte auf dem E5, der Similaunhütte (3.019 m) im Niederjoch. Wir sind auf italienischen Boden!

Die Südflanke des Alpenhauptkamms ist erreicht! Hinunter geht es zunächst über einen Felssteig, dann über Moränen- und Weidegebiet und abschließend durch einen Lärchenwald nach Vernagt am See (1.711 m) im Schnalstal. Der lange Weg aus dem Tal lässt sich durch ein Stückchen Busfahrt verkürzen.

Ca. 25 Minuten trennen dann den E5-Wanderer vom Meraner Höhenweg, auf dem wir die nächsten 2 Tage weiterwandern werden. Oberhalb von Katharinaberg steigen wir ein und sind wieder ganz auf der E5-Linie im Naturpark Texelgruppe. Nach den Strapazen der hinter uns liegenden Überquerung der Hochalpen erfolgt hier der Übergang ins Genussbergwandern. Von Bauernhof zu Bauernhof führt der E5 aus dem Schnalstal heraus, oberhalb Reinhold Messners Schloß Juval vorbei und in den Naturnser Sonnenhang des Vintschgaus hinein. Der Weg gewährt uns einen guten Einblick in den faszinierenden und anstrengenden Alltag der Südtiroler Bergbauern. Schon fast zwingend, dass wir mit dem Patleidhof (1.386 m) unsere Übernachtungsstätte auf einem solchen Bauernhof ausgewählt haben. Wir schlafen in einem original belassenen, etwa 800jährigen Bauernhaus.

Am nächsten Morgen geht es auf dem Meraner Höhenweg weiter. Immer am Südhang der Texelgruppe, einem südlichen Ausläufer der Ötztaler Alpen, entlang, hoch über dem Vintschgau, erreichen wir bald die Lahnbachschlucht (1.000-Stufen-Schlucht), im Volksmund "Katzenleiter" genannt. Mehr als tausend Stufen hinauf und hinunter fordern Kraft und Kondition der Wanderer. Die Strecke ist interessant und abwechslungsreich. Herrliche Ausblicke, ein märchenhafter Steinwald und mehrere Einkehrmöglichkeiten lassen die doch recht lange Etappe kurzweilig erscheinen. Sie endet am Hochganghaus (1.840 m).

Mit gutem Blick auf die Dolomitenkette verlassen wir das Hochganghaus. Über bewaldete Hänge geht es zunächst zur Leiteralm und weiter über den Hans-Frieden-Felsenweg zur Seilbahnstation Hochmuth. Dort unter der Mutspitze (2.294 m) verlassen wir den Meraner Höhenweg und endgültig die Ötztaler Alpen. Meran liegt zu unseren Füßen. Die Bahn bringt uns hinab nach Dorf Tirol. Über den Tappeinerweg erreichen wir das Zentrum von Meran (325 m). Eine Stadt mit großer und mediterraner Ausstrahlung. In Meran ist ein zweistündiger Aufenthalt zur freien Verfügung vorgesehen. Die Zeit muss sein!

Mit der Seilbahn geht es hinauf in die alpine Bergarena Meran 2.000. Auf leichtem Weg erreichen wir nach kurzer Zeit die Meraner Hütte (1.960 m).

Die Schlussetappe nach Bozen ist leicht, aber mit 27 km lang. Dennoch hervorragend geeignet zum Auslaufen der Tourenwoche. Der E5 führt hier über einen südlichen Ausläufer der Sarntaler Alpen. Über den Tschögglberg, ein Bergrücken, der das Etschtal vom Sarntal trennt, steigen wir von der Meraner Hütte auf zum höchsten Punkt des Schlusstages, dem Kreuzjoch (2.084 m). Hier wünscht man sich gutes Wetter. Der Aussichtspunkt am Kreuzjoch lässt einen 360 Grad Rundumblick über das Südtiroler Land zu, die Dolomiten scheinen zum Greifen nahe. Jetzt geht es unablässig moderat bergab. Sehenswert die Stoanerne Mandlen. Hunderte von Steinmännern sind um eine Bergkuppe (2.004 m) herum aufgebaut. Ein riesiges Weidegebiet breitet sich vor uns aus. Am Möltner Kaser und an der Kirche von Langfenn vorbei erreichen wir zur Mittagszeit den Saltner Sagenweg, ein Promenadenweg durch ein sehenswertes Lärchenwaldweidegebiet, auf dem der E5 am Ende hinunter nach Jenesien und nach Bozen (265 m) führt. Wir haben das Ende des E5 Nordteils erreicht. Zeit für einen halbtägigen Aufenthalt in der Metropole und Hauptstadt Südtirols muss auch hier sein.

Text: Manfred Neuber, Fotos: Ralph Demuth und Michael Gutmann

E5 Südteil

Wie der E5 Nordteil gliedert sich der E5 Südteil in zwei einwöchige Teilstücke. Einmal in den Weg von Bozen nach Carbonare und zum anderen in den von Carbonare nach Verona. Im Gegensatz zum E5 Nordteil gibt es außer einer kurzen Seilbahnfahrt am Anreisetag keine Erleichterungen durch Busfahrten, Materialseilbahnen für Rucksacktransporte und Seilbahnen. Der E5 Südteil ist eine Kraft und Ausdauer fordernde alpine Trekkingstrecke.

Im Talkessel der Südtiroler Hauptstadt Bozen, dort wo der E5 Nordteil endet, beginnt der E5 Südteil und der Gesamtteil III des Mainzer E5-Programms. Nach längerer Anreise bringt uns ein letztes Mal eine Seilbahn eine kurze Strecke von Bozen hinauf zum Ausgangsort Bauernkohlern (1.136 m).

Aufsteigend durch Wald und Wiesen startet am folgenden Morgen die Fortsetzung der Alpenüberquerung auf dem Weg nach Süden. Die erste Tagesetappe ist nicht besonders schwierig, aber wegen ihrer Länge durchaus anstrengend. Nachdem wir den hübschen Südtiroler Ort Deutschnofen durchwandert haben, zieht unser Weg in der Mittagssonne durch die Nockberge, vorbei an 14 Kreuzwegstationen, schweißtreibend hinauf zum Kloster Maria Weißenstein (1.520 m). Am bedeutendsten Südtiroler Wallfahrtsort mit 450jähriger, bewegter Geschichte ist der Wanderer schon etwa fünf Stunden unterwegs. Zeit für eine Mittagsrast. Denn noch ca. zweieinhalb Stunden anstrengender Weg warten auf ihn. Die Lage des Klosters eröffnet schöne Ausblicke zum Schlern, Rosengarten, Latemar und Weißhorn. Nach gut einer Stunde Fußmarsch ist einer der größten Canyons der Alpen erreicht, die Bletterbachschlucht. Seit der letzten Eiszeit vor ca. 15.000 Jahren hat sich der Bletterbach eine etwa acht km lange und bis zu 400 m tiefe Schlucht gegraben und dabei fast 250 Millionen Jahre Erdzeitgeschichte freigelegt. Der E5 quert die Schlucht auf steilem Pfad hinab und auf der Gegenseite wieder hinauf. Nach einer weiteren Stunde sind wir in Oberradein. Dort übernachten wir in einem schönen alten Erbhof, dem Thomaserhof (1.552 m).

Durch viel Wald geht es am nächsten Tag weiter. An heißen Tagen wird der Wanderer dafür dankbar sein. Die zweite Etappe hat nicht so viele Höhepunkte wie die des Vortages. Zunächst geht es steil hinunter nach Unterradein (1.090 m) und weiter nach Kaltenbrunn (984 m). Des Absteigens ist dort zunächst genug. Der E5 führt jetzt hinauf zum Südtiroler Bergdorf Truden (1.127 m) im Herzen des Naturparks Trudener Horn. Truden ist der südlichste Ort des deutschen Sprachgebietes in Südtirol. Es wurde vor gut 1.000 Jahren von den Langobarden besiedelt. Auf stetig ansteigendem Weg führt der E5 nun weiter aufwärts zum Gampensattel (auch Cisa- oder Zissattel 1.439 m) zur schönsten und aussichtsreichen Stelle des Tages, zur Hornalm (1.718 m). Wie schon am ersten Tag gestattet die Lage der Alm einen herrlichen Blick zurück nach Oberradein, zum Weiß- und Schwarzhorn, zu den Dolomitengebirgszügen Schlern, Rosengarten, Latemar und jetzt auch zur Pala. Paradiesisch breitet sich über dem Fleimstal (Val di Fiemme) das Lagoraigebirge aus, der dominante und anspruchsvollste Gebirgszug des E5 Teil III. Am 4. und 5. Tag werden wir ihn durch- und mehrmals überqueren. Auf leichten Wegen und Pfaden geht es von der Hornalm hinab zum Etappenziel Gfrill (1.328 m), hoch über dem Etschtal. Bei Ingrid im Fichtenhof genießen wir nicht nur das vorzügliche Abendmenü, sondern auch die herrliche Aussicht nach Norden und Süden des Etschtales sowie auf die auf der anderen Seite des Flusses dominierenden Gebirgsformationen Brenta- und Adamellogruppe.

Zunächst durch den Salurner Wald, der „grünen Lunge Italiens“, folgen wir dem E5 auf der dritten Etappe. Hoch über Salurn verlassen wir das Etschtal und den zweisprachigen Sprachraum. Die Salurner Klause, die engste Stelle des Etschtales, ist seit jeher Sprachund Ethniengrenze zwischen germanischen und romanischen Völkern. Ab hier gilt nur noch italienisch. An den Wegtafeln haben wir es längst bemerkt. Wir sind im „richtigen“ Italien. Unser Weg führt nun vom Etschtal weg via Cembratal. Nach bisher etwa vier Stunden Gehzeit kommen wir am Mittagsziel Lago Santo (Heiliger See 1.195 m) an. Auf dem Dürerweg steigen wir nach der Mittagspause auf steilem Pfad hinunter nach Cembra (665 m). Der Weg ist nach Albrecht Dürer benannt. Er war vor gut 500 Jahren auf seinem Weg nach Süden hier und hat mit zwei Aquarellen („Welsch Gepirg“ und „Welsch Schlos“) Spuren hinterlassen. Der Empfehlung, die Etappe in Cembra zu beenden, folgen wir nicht. Angesichts der anspruchsvolleren zweiten Tourhälfte verlängern wir die heutige, bis dahin leichteste Etappe, um zwei Stunden. Ein Stück entlang der Straße führt uns der E5 durch das Dorf Faver und hinunter auf den Talgrund des Avisio (529 m). Der Fluss wird von den Gletschern der Marmolada gespeist. Vorbei am Castello Segonzano (566 m) steigen wir steil auf zum Etappenziel Segonzano (670 m).

E5-Alpinvariante durch das Lagoraigebirge

Der zweite Teil der Tourenwoche fordert unsere Kraft und Kondition! Und es wird ausgesprochen alpin bis hochalpin. Wir verlassen den E5 Normalweg und sind etwa zwei Tage auf der E5-Alpinvariante durchs Lagoraigebirge unterwegs. Die vierte Etappe beginnt moderat ansteigend. Etwa solange, bis wir an den Erdpyramiden von Segonzano vorbei das Trentiner Bergdorf Centrale (1.220 m) erreichen. Der Anstieg wird jetzt heftiger. Bis zur Malga (Alm) Stramaiolo (1.831 m) sind es schon ca. 600 hm. Von dort sind wir in gut einer Stunde am aussichtsreich gelegenen sehr schönen Rifugio Tonini (1.906 m). Mittlerweile wird es Zeit für eine Mittagspause.

Danach beginnt der anstrengendste aber schönste Teil des Etappentages. Nochmal über 200 hm geht es über die Baumgrenze hinaus in den Fels des Lagoraigebirges. Kräftezehrend im Auf und Ab, ständig am Kamm, Grat der Lagoraikette entlang, über die Pässe Val di Mattio (2.258 m), Cagnon (2.100 m), über die kuppelförmige Erhebung des Monte Conca (2.301 m) und dem Passo di Palu (2.121 m) kommen wir in einer Gehzeit von weiteren vier bis fünf Stunden zum unserem Tagesziel, dem Rifugio Sette Selle (2.014 m).

Mit der fünften Etappe setzt sich die anspruchsvolle Lagoraidurchquerung nahtlos fort. Am Nordhang des Cima Sette Selle steigt die Wegführung durch Fels hinauf bis knapp unter den Gipfel des Cima Sasso Rotto (2.396 m). Am weiteren Steig lassen sich Blockwerk und erste Kriegsstellungen aus dem 1. Weltkrieg finden. Weitere Zwischenziele am Weg sind der Forcella delle Conelle (2.198 m), Cima de Cave (2.292 m), Monte del Lago (2.327 m). Am Forcella del Lago (2.213 m) sind wir wieder auf der E5-Normalroute zurück. Aber auch die verläuft hier anspruchsvoll alpin. Zunächst geht es auf einem Gratweg entlang einer Nordwestflanke des Hoabonti bis zum Passo la Portella (2.152 m). Sollte die Gruppe bis dahin Ermüdungsanzeichen zeigen, gibt es ab hier eine Wegvariante auf einfacherem Steig/Weg weiter zum Tagesziel. Ansonsten stehen dem Wanderer noch zwei Gipfelbesteigungen bevor. Zunächst etwa 200 hm steil hinauf auf den Monte Gronlait (2.383 m). Herrliche Panoramablicke entschädigen die Mühe. Ein weiterer Gratweg führt über Grashänge zur Forcella Fravort (2.160 m) und von dort hinauf zum Monte Fravort (2.347 m). Der weitere Weg zum Tagesziel führt vom Gipfel zunächst steil, später moderat durchweg bergab. Nach gut zwei Stunden ist das Etappenziel Vetriolo Terme (1.500 m) erreicht.

Auf der sechsten und letzten Etappe der Tourenwoche von Vetriolo Terme nach Carbonare benutzen wir zunächst ausnahmsweise den Bus hinunter nach Levico Terme (507 m). Zu Fuß würde der wenig attraktive Abstieg auf Straße und durch Wald (10 km und 1.000 hm) die Tour zu lange werden lassen (ca. 30 km). Die Etappe wird auch so noch lange und kräftezehrend genug. Levico Terme ist eine beliebte und schöne norditalienische Kurstadt. Wir wandern durch ihr Herzstück und queren etwa auf einer Länge von fünf km das Valsugana, in der die Brenta fließt. Meist bekommen wir dabei unerwünscht viel Schwüle und Mittagssonne mit. Immer leicht ansteigend erreichen wir nach gut einer Stunde St. Giuliana .Jetzt geht es hinauf via Hochebene von Lavarone. Nach knapp 800 hm auf steilem Pfad durch das Val Pisciavacca sind wir an einer Hütte (Baita del Cangi 1.370 m) dann oben. Die restlichen gut 10 km nach Carbonare (1.074 m) sind zum Auslaufen einer Tourenwoche geradezu geeignet.

Text: Manfred Neuber

In Carbonare, einem hübschen Gebirgsdorf im Trentino, steigen wir in den E5 Teil IV ein. Die Zeitdauer der Reise lässt keine Wanderung am Anreisetag mehr zu. Im schönen familiären Hotel Trentino sind wir jetzt schon seit Jahren gern gesehene Gäste.

Die erste Etappe, noch auf der Hochebene von Lavarone, ist angesichts der folgenden Kondition forderndenTagesprogramme gewollt leicht und kurz gewählt. Es geht meist ständig moderat aufwärts: ca.11 km und etwa 700 Hm. Die Hochebene von Lavarone war einst für die Österreicher von großer militärstrategischer Bedeutung. Sieben Forts bildeten neben anderen Einrichtungen eine Verteidigungslinie über den gesamten Höhenzug. Das Ex forte Cherle (1450 m) und die Überreste eines ehemals österreichischen Lazaretts liegen direkt an unserem Wege. Oben vom Ex forte Cherle genießen wir eine prächtige Aussicht über das Val d` Astico und die gesamte Hochebene von Lavarone. Weiter geht es moderat aufwärts. Am frühen Nachmittag ist das Etappenziel Albergo Passo Coe (1610 m) erreicht.

Auf den kommenden 5 Etappen bis Verona wird unsere Kondition einer anspruchsvollen Prüfung unterzogen.

Eine anstrengende, aber abwechslungsreiche, interessante Tour erwartet uns am nächsten Tag. Ausgesprochen alpin! Moderat beginnt die zweite Etappe. In einer guten Stunde ist der Monte Maggio (1853 m), ein gern bestiegener Ausflugsgipfel, erreicht. Vom Gipfelkreuz bietet sich ein herrlicher Rundumblick. Danach wird es einsamer. Auf aussichtsreichem Höhenweg („Sentiero della Pace“- Friedensweg), der den Einstieg in den gewaltigen Bergstock des Monte Pasubio markiert, führt der E5 am Monte Borcoletta (1750 m) vorbei, weiter. Allerdings erst einmal auf steilem Pfad bergab bis zum Passo della Borcola (1249 m). Die dort gelegene Alm (ital. Malga) Borcola bietet sich schon frühzeitig zur Mittagspause an. Weitere Einkehralternativen gibt es bis zum Tagesziel nicht.

Nach der Mittagspause geht es auf steilem Pfad etwa 700 Hm hinauf, an der verfallenen Malga Costa vorbei, bis zu einer Scharte (1950 m). Von hier verläuft der Weg in ständigem Auf und Ab, aber auf der Höhe bleibend, bis zur Selletta Monte Buso (1995 m). Auf leichtem Pfad erreichen wir nun unser Tagesziel, das Rifugio Lancia (1825 m), eine Berghütte des italienischen Alpenvereins.

Die dritte Etappe steht dem alpinen Anspruch der vorherigen in keiner Weise nach. Sie ist eine der interessantesten auf dem E5. Zunächst geht es auf schönem Panoramaweg am Westhang des Roite (2144 m) hinauf auf den mächtigen Hauptkamm des Pasubio Gebirges. Das Pasubio Gebirge, durchzogen von Kriegsstellungen, Kavernen, Kommandozentralen, Stollen und Militärstraßen, ist ein Mahnmal für den Wahnsinn des Krieges. Bis zu 38.000 Menschen sollen in diesem Hauptkampfgebiet des 1. Weltkrieges den Tod gefunden haben. Bewusst wurde der E5 durch das Kampfgebiet von Österreichern und Italienern geführt und mit der Bezeichnung „Friedensweg“ der völkerverbindende Gedanke herausgestellt. Über den Berg der Österreicher („Dente Austriaco“ 2203 m) und den der Italiener („Dente Italiano“ 2220 m) führt unser Weg hinab zum Rifugio Papa (1929 m). Ab hier verläuft der E5 über die „Straße der Helden“ („Strada degli Eroi“) und weiter über einen Steig weit hinunter auf den Fugazze Pass (1162 m).

Noch einmal geht es jetzt ca. 500 Hm bis zum Tagesziel aufwärts. Die Kulisse dabei bieten die Kleinen Dolomiten (Piccole Dolomiti) mit ihrem Paradeberg dem Monte Cornetto (1899 m). Auf dem Sattel der „Selletta Nord-Ovest“ (1585 m) sind wir erst mal wieder auf der Höhe. Nach einer weiteren guten Stunde erreichen wir teilweise über Almweiden und unterhalb der imposanten Sengio-Alto-Kette vorbei, quasi der Trennlinie zwischen dem Trentino und Venetien, unser Etappenziel, das Rifugio Campogrosso (1456 m). Wieder liegt ein anstrengender Tag hinter uns.

Bei der vierten Etappe stehen wir gleich zu Beginn vor der Nordwand des letzten Felsengebirges vor Verona. Die Carega Gruppe, sie scheint schier unüberwindbar. Aber es geht. Durch eine Rinne mit ansprechendem alpinem Niveau geht es über Geröll, Felsstufen und Serpentinen in die Höhe. An einer Einsattelung der Cima Mosca und des Monte Obante hat die Natur mit der Bocchetta dei Fondi (2084 m) ein kleines Schlupfloch gelassen. Wir sind auf der Höhe der Felsenburg des Carega Gebirges angekommen. Wer sehr guter Kondition ist, kann auch noch den Gipfel der Cima Carega (2259 m) ersteigen. Die Höhen des Carega Gebirges erlauben ein letztes Mal den Rundumblick auf den E5 Südteil. Der Blick südwärts erfasst den Süden des Gardasees, die Vicentinische Tiefebene und bei gutem Wetter die Gold glänzenden Lagunen von Venedig.

Zur Mittagseinkehr steigen wir auf leichtem Pfad hinab zum Rifugio Scalorbi (1767 m). Auf schönem Bergsteig, an der Flanke des Valle di Revolto geht es danach gut drei Stunden bergab. Nach einer unumgänglichen 3 km langen finalen Straßenwanderung sind wir am Tagesziel Giazza (793 m) und dem Albergo Belvedere. Das Carega Gebirge ist überquert. Mit den letzten beiden Etappen über die lessinischen Gebirgsketten laufen die Alpen via Verona aus. Aber so flach die Berge hier auch scheinen mögen, der Anspruch an die Kondition bleibt weiterhin hoch.

In Giazza beginnt mit der fünften Etappe unser Weg durch die Mittleren Lessinischen Alpen. Noch einmal geht es knapp 100 Hm hinunter bis zum Illasi Flusstal und auf der anderen Flussseite etwa 700 Hm hinauf bis zur Anhöhe des Monte Potteghe (1479 m). Unser Blick geht zurück zur Carega-Gruppe und hinunter auf das breite Illasi Tal. Wir treffen auf mit groben Steinplatten begrenzte Wiesenwege. Typisch für die Lessinischen Alpen. Nach nunmehr etwa drei Stunden kommen wir zum Taleinschnitt des Vajo di Squaranto, folgen am Talboden ein Stück des Weges, bevor wir vorbei am aufgelassenen Weiler Merli (1256 m), dem Ort Merli, der Kapelle St. Anna den Ort Maregge (1264 m) erreichen. Wenn das kleine Lokal an der Straße geöffnet hat, halten wir dort unsere Mittagseinkehr.

Unser Weg führt danach weiter über die Hochebene der Mittleren Lessinischen Alpen. Vorbei an einem weiteren aufgelassenen Meiler namens Zamberlini. Vom Weg aus bald erkennbar der zentrale Ort der Region, Bosco Chiesanuova (1106 m). Leicht zu identifizieren durch den Doppelturm der Klosterkirche. Bald schon sehen wir auch den Zielort des Tages Erbezzo. Aber es dauert noch! Wir müssen ein gewaltiges Stück hinunter bis zum Bachbett des Vajo dell` Anguilla (831 m). Final geht es von dort auf steilem Steig hinauf zum Etappenziel Erbezzo (1118 m) und Albergo Berna.

Die sechste Etappe ist nicht schwierig, aber mit ca. 27 km die längste der Tour. Meist fordern die Etappenlänge, die warme Tagestemperatur und das gewählte finale Wegstück durch die Boragoschlucht nochmals stark unsere Kondition.

Zunächst steigen wir ca. zwei Stunden ab bis auf den Talboden des Vajo dell` Falconi (480 m). Nach einem kurzen Stück Straßenweg durchqueren wir ein Flussbett, das von zwei Bächen gespeist wird. Auf der rechten Seite des Ponte di Veja-Bachs steigt der dicht bewaldete Pfad an bis zum „Naturwunder“ Ponte di Veja (611 m), einer ca. 30 m hohen und 20 m breiten Felsbrücke. Weiter geht der Weg durch die Orte Giare und Schioppo (752 m), bis wir ein längeres Straßenstück rechts aufsteigend verlassen, hinauf zum letzten Berg vor Verona, dem Monte Tondo (705 m). Unser Blick erfasst immer größer werdend das Südende des Gardasees. Die Besiedlung nun immer dichter. Bald sind von der Höhe schon die Städte Vincenza, Verona und die Tiefebene via Venedig zu sehen. Nach insgesamt vier Wochen Gebirgsdurchquerung ein erhebender Anblick! Es ist schon Nachmittag, wenn wir Montecchio (496 m) erreichen. Auf dem Marktplatz vor der schönen Kirche rasten wir ein letztes Mal.

Noch zweieinhalb bis drei Stunden bis Avesa/Verona! Zwei Wegalternativen bietet der E5 von hier an. Bei Regenwetter oder Sturm wählen wir den Normalweg. Bei gutem Wetter, den durch die enge, dunkle „grüne Hölle“ der Boragoschlucht, einem unter Naturschutz stehenden Urwald- und Regenwaldgebiet. Ein letztes Mal auf unserem langen Weg wird unsere Kondition und Aufmerksamkeit grenzwertig gefordert. Das Ende der Boragoschlucht zeichnet quasi das Ausgangstor aus den Alpen. Durch Obstplantagen und Olivenhaine führt uns der E5 in ca. 30 min nach Avesa (97 m), einem Vorort von Verona. In Avesa endet offiziell die Alpenüberquerung des E5! Wir sind am Ziel. Ca. 530 km liegen hinter uns, ca. 25.000 Hm im Auf- und etwa 29.000 Hm im Abstieg. Großen Respekt jedem Finisher! Nach Verona fahren wir mit dem Bus (ca. 30 min). Die geschichtsträchtige, überaus sehenswerte und schöne Stadt an der Etsch ist immer, verbunden mit einer Stadtführung und dem Besuch der Opera in der Arena von Verona, einen zweiten Aufenthaltstag wert. Ein langer Weg hat sein Ziel erreicht. Grund zum Stolz und zur Zufriedenheit.

Text: Manfred Neuber, Fotos: Heribert Jäger

Alpenüberquerungen / E5 (Auszug aus unserem Tourenprogramm)

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