Ausblick vom Wallfahrtsjöchl | © DAV Mainz / Jörg Steinkamp

Alpenüberquerung E5 Teil I (Variante übers Wallfahrtsjöchl)

26.02.2026

Am 19. August 2025 brachen wir zu acht zu einer neuen Variante des ersten Teils der E5 Alpenüberquerung unter Umgehung der zwei großen Hütten (Kemptner/Memminger) auf. Ebenso ging es darum, einen anderen Übergang vom Kaunertal ins Pitztal als das Madatschjoch zu nehmen.

Des Weiteren musste für den sechsten Tag umgeplant werden, da der Almenweg von der Tiefentalalm zur Kaunergrathütte wegen Murenabgängen gesperrt war und es nicht absehbar war, ob er wieder geöffnet wird. Eine Woche vor der Tour kam leider die schlechte Nachricht, dass unser Tourenleiter Peter Kaesehagen krankheitsbedingt absagen musste. Zum Glück hatte der “Azubi” Harald Raimbault kurz zuvor seine Ausbildung als Wanderleiter abgeschlossen - er wurde ins kalte Wasser geschmissen und durfte gleich seine erste Tourenleitung übernehmen, tatkräftig unterstützt von seinem Sohn Felix.

Tag 1: Mittelberg - Gemsteltal - Obere Gemstelalpe - Mindelheimer Hütte

Der erste Anstieg erfolgte von Mittelberg im Kleinwalsertal durch das Gemsteltal erst auf Kinderwagen-tauglichen Wegen vorbei an der ersten Alm. Unterwegs lernten wir, dass wir nicht zum Essen kommen, wenn wir neben Ziegen das Vesperbrot aus dem Rucksack holen. Dann wurden die Wege etwas schmaler, und nach der dritten Hütte, der Oberen Gemstelalpe, in der wir Mittagsrast machten, ließen wir die Wege mit Tageswanderern hinter uns. Auf dem weiteren Weg zur Mindelheimer Hütte (2.058 m) genossen wir die Sonne und die wunderschöne Aussicht.

Länge: 10 km / Anstieg: 1.080 Hm / Abstieg: 220 Hm

 

Tag 2: Mindelheimer Hütte - Schrofenpass - Gehren/Warth - Bus - Kaisers - Kaiserjochhaus

Am ersten Hüttenmorgen wachten wir bei wolkenverhangenem Himmel auf. Zum Glück standen für die nächsten beiden Schlechtwettertage auch einige Busetappen auf dem Plan. Zuerst mussten wir aber über den Schrofenpass nach Gehren absteigen. Der Weg zum Schrofenpass war zum Teil schmal und exponiert, bei dem schlechten Wetter eine erste Prüfung.

Von Gehren fuhren wir dann mit Bussen nach Kaisers, von wo aus wir nach einer kurzen Stärkung mit Gulaschsuppe oder Kaiserschmarrn zum Kaiserjochhaus (2.310 m), einer kleinen gemütlichen Hütte, wanderten. Kurz vor der Hütte wurden wir von pfeifenden Murmeltieren begrüßt.

Länge: 13,5 km / Anstieg: 1.030 Hm / Abstieg: 835 Hm / Bus: 13 km

 

Tag 3: Kaiserjochhaus - Nessleralm - Pettneu - Bus - Zams - Zamser Skihütte

Am nächsten Morgen war der Nebel noch etwas dicker geworden (aber ohne Regen). Daher einigten wir uns darauf, nicht auf den Grießkopf zu wandern, da wir außer Nebel vermutlich nicht viel gesehen hätten. Wir stiegen also nach Pettneu ab, aber nicht auf dem direkten Weg wie geplant, sondern vorbei an der Nessleralm. Von hier aus ging es mit dem Bus nach Zams.

Nach dem nebligen, aber trockenen Vormittag war für den Nachmittag wieder Regen angekündigt - also entschlossen sich fast alle dazu, mit dem Sessellift zur Zamser Skihütte (1.740 m) hinaufzufahren. 

Länge: 8 km / Anstieg: 240 Hm / Abstieg: 1.170 Hm / Bus: 20 km

 

Tag 4: Zamser Skihütte - Glanderspitze - Kreuzjoch - Larcheralm - Neu-Amerika

Es regnete bis zum Morgen. Wir starteten als letzte von der Hütte, dafür aber ohne weiteren Regen zu den Gipfeln Glanderspitze (2.512m), Piller (2.480mm) und Kreuzjoch (2.440m). Auf der eine Seite der Berge stiegen die Nebelschwaden auf, auf der anderen Seite war es nahezu klar. Wir wanderten über die Larcheralm nach Neu-Amerika (1.270 m). Hier erwarteten uns Zweibettzimmer mit richtigen Bettdecken und ein super Essen.

Länge: 15 km / Anstieg: 940 Hm / Abstieg: 1.420 Hm

 

Tag 5: Neu-Amerika - Afneralm - Panoramaweg - Falkaunsalm - Wiesenhof

Gut ausgeschlafen starteten wir in den nebligen und frischen Vormittag. Es hatte deutlich abgekühlt und mutete schon fast herbstlich an. Zwischendurch verzögerte sich die Wanderung etwas, da sich ein Teil der Gruppe in den Himbeerbüschen verlor.

Beim Aufstieg über die Afneralm zum Panoramaweg lichtete sich der Nebel und die Sicht wurde immer besser. Dafür wehte ein frischer Wind, so dass wir erst hinter dem höchsten Punkt “Schlafboden” etwas windgeschützt eine kurze Pause machten, um dann weiter über die Falkaunsalm zu unserer nächsten „Luxus-Herberge“ Wiesenhof (1.610 m) zu wandern.

Länge: 15,5 km / Anstieg: 1.090 Hm / Abstieg: 750 Hm

Tag 6: Wiesenhof - Gallruthstollen - Wallfahrtsjöchl - Tiefentalalm

Heute standen bei schönem Wetter und frischen 6°C gleich zwei Höhepunkte auf dem Programm - der Gallruthstollen und die Überquerung des Kaunergrat über das Wallfahrtsjöchl zur Tiefentalalm (1.880 m). Zuerst ging es durch den Wald entlang des Wasserkanals zum 1 km langen Gallruthstollen, den wir mit Stirnlampen durchquerten. Danach ging es aufwärts, an der Gallruthalm vorbei. Die Vegetation wurde immer karger, bis wir über Schuttfelder und schließlich über einen sehr steilen gesicherten Pfad das Wallfahrtsjöchl erreichten. Die Aussicht zu beiden Seiten, zurück ins Kaunertal als auch ins Pitztal, war atemberaubend.

Der Weg hinunter zur Tiefentalalm schien nicht oft benutzt zu werden - er war sehr zugewachsen und zum Teil war nicht ganz klar, ob der Weg im Bach oder der Bach auf dem Weg verläuft. Auch bei diesem Abstieg luden die reifen Himbeeren am Wegrand zum Ernten ein. Auf der Tiefentalalm angekommen, wurden wir vom Almwirt mit einem Marillenlikör empfangen. Die Tiefentalalm ist sehr einfach eingerichtet, dafür sind die Wirtsleute sehr herzlich und die Verpflegung super.

Länge: 12,5 km / Anstieg: 1.215 Hm / Abstieg: 945 Hm

Tag 7: Tiefentalalm - Scheibe - Bus - Trenkwald - Mittelberglesee - Kaunergrathütte

An diesem Tag mussten wir bis ins Tal absteigen, da der Weg über den Almenweg wegen Murenabgängen leider nicht begehbar war. Nach kurzem Bustransfer stiegen wir ab Trenkwald zur Kaunergrathütte (2.817 m) auf. Es war ein Aufstieg bei fast strahlend blauem Himmel, aber längst nicht so heiß wie am ersten Tag. Am Mittelberglesee machten wir eine kurze Pause, und Jörg wagte sich als einziger ins erfrischende Nass. Danach ging das Gelände wieder in Schutthalden über. Kurz unterhalb des Saß sahen wir die erste Gruppe Steinböcke mit großen Hörnern und kurz darauf beim Steinbockjoch die nächste Gruppe, die mit ihren kurzen Hörnern sehr jung aussahen.

Vorbei am Mainzer See ging es dann auf zum Endspurt zur Kaunergrathütte. Wer es schaffte, die Müdigkeit zu überwinden, und mit warmer Jacke nach 22:00 Uhr vor die Hütte ging, der hatte bei sternenklarer Nacht einen faszinierenden Blick auf die Milchstraße und auf so viele Sterne, dass es schwer war, darin die bekannten Sternbilder zu finden. 

Länge: 12,5 km / Anstieg: 1.670 Hm / Abstieg: 870 Hm / Bus: 6 km

Tag 8: Kaunergrathütte - Jochspitze - Plangerosstopf - Kaunergrathütte

Wir blieben zwei Nächte auf der Kaunergrathütte, dann machten wir uns auf in Richtung Madatschjoch. Unterwegs teilten wir uns in zwei Gruppen - eine ging zum Plangeroßkopf, die andere stieg auf zur Jochspitze (3.067 m) kurz vor dem Madatschjoch) und ging anschließend über den Plangeroßkopf zurück. Dabei liefen uns noch ein paar Schneehühner über den Weg

Länge: 4,3 km / Anstieg: 450 Hm / Abstieg: 450 Hm

Tag 9: Kaunergrathütte - Plangeroß - Taxi - Zug - Mainz

Um 05:00 Uhr frühes Aufstehen - wir wollen um 05:45 Uhr starten, damit wir um 8:15 in Plangeroß unser bestelltes Taxi erreichen, dass uns nach Imst zum Bahnhof bringen soll. Direkt hinter der Hütte sahen wir beim Loslaufen noch einen Steinbock und auf dem weiteren Weg nach unten noch eine Gams.

Es wurde eine Punktlandung, das Taxi und wir trafen zeitgleich beim Feuerwehrhaus in Plangeroß ein - und dann fallen auch schon wieder die ersten Regentropfen. Der Taxifahrer brachte uns zügig (ist er im Zweitjob Rennfahrer?) zum Bahnhof Imst, von wo aus es mit dem Zug zurück nach Mainz ging.

Länge: 6 km / Abstieg: 1.180 Hm

Text: Jörg Steinkamp und Harald Raimbault
Fotos: Jörg Steinkamp