© DAV Mainz Skitourentage_Rudolfshuette

Skitourentage im Nationalpark Hohe Tauern

11.05.2026

Weißsee-Gletscherwelt bei traumhaftem Wetter vom 24. Februar bis 1. März 2026. 

Auch bei schwierigen Schneeverhältnissen (Lawinengefahr!) kann man das Beste daraus machen.

Tag 1

Frisch gefallener Neuschnee, strahlende Sonne, unberührte Hänge. Die Hohen Tauern locken, die Felle sind aufgezogen -  aber wir können keine der ursprünglich geplanten Skitouren unternehmen.  Bei Lawinenwarnstufe 4 ist höchste Vorsicht geboten. Wir beschließen, das Beste aus der Situation zu machen, steigen auf der Skipiste auf, untersuchen Schneeprofile und fahren kurze Tiefschneepassagen am Rand der Piste ab. Dann entdeckt unser Tourenleiter Reiner einen flach ansteigenden Hang im Gelände über dem zugefrorenen Weißsee, den wir gemeinsam aufsteigen. Wir tasten uns vorsichtig weiter vor und gelangen schließlich über unbedenkliche Passagen auf das Joch unterm Medelzkopf. Dort haben wir eine wunderbare Aussicht nach Norden und Süden. Wir genießen die Abfahrt durch den Neuschnee entlang der Skipiste und sind uns einig, dass wir den Tag trotz hoher Lawinengefahr optimal genutzt haben.

Wir sind zu sechst: unseren Guide Reiner und Andi und Franz-Josef aus dem Rheingau kenne ich schon von Tourentagen in den Vorjahren. Werner und Heidi kommen beide aus Mainz – auf der gemeinsamen Hinreise im Auto haben wir uns schon gut kennengelernt und Erlebnisse von früheren Touren ausgetauscht. Alle außer mir haben viele Jahre Erfahrung im Skitourengehen. Ich komme ursprünglich aus Ravensburg in Oberschwaben, wohne schon seit langem bei Frankfurt und habe erst 2023 mit dem Tourengehen angefangen. Bei den letzten Skitourentagen mit Reiner in den Stubaier Alpen hatte ich noch etwas Probleme mit meiner Kondition und hing öfter mal etwas zurück. Aber ich hatte Reiner versprochen, daran zu arbeiten und fühle mich diesmal auch deutlich fitter. 

Das Berghotel Rudolfshütte  (2.311 m) ist voll ausgebucht, hauptsächlich von tschechischen Familien mit kleinen Kindern. Das Essen vom Buffet bietet eine Riesenauswahl und schmeckt hervorragend. Ein Highlight an diesem und allen folgenden Tagen: ab 21 Uhr kosten die Cocktails nur 9 Euro. Der Ausklang am Abend mit Margerita oder Pina Colada wird zum festen Ritual dieser Tourenwoche.

Tag 2

Wieder strahlender Sonnenschein, aber noch immer Lawinenwarnstufe 4.

Wir steigen wie am Vortag über die Skipiste unter dem Sessellift auf, wagen uns diesmal aber weiter vor. Am steilen Westhang des Medelzkopfes (2.761 m)  nur wenig vom Wind verpresster Schnee, deshalb steigen wir bis zum Gipfel mit Harscheisen auf. Oben erkundet Reiner das Gelände und schlägt eine Überquerung vor. Mit den Ski am Rucksack steigen wir ein Stück nach Süden ab, dann queren wir nach Osten in Richtung Gletscher. Die Hänge sind unberührt, wir sind die ersten. Wir müssen einen Steilhang einzeln queren, aber der Schnee wirkt stabil.

 

Dann stehen wir an einem wundervollen, unberührten Traumhang. Reiner fährt vor und legt dynamisch die erste, absolut gleichmäßige Spur in den Schnee. Ich starte gleich danach, komme gut in den Rhythmus - meine Oberschenkel brennen, aber die Endorphine sind stärker als der Schmerz, ich fahre den ganzen Hang am Stück lande überglücklich unten bei Reiner. Auch bei der Abfahrt klappt es bei mir immer besser, ich gewöhne mich immer mehr an das Fahren mit den leichten und weichen Skitourenschuhen. Auch die anderen verzieren den Hang mit ihren Spuren. Andi zischt mit seinem unverwechselbaren Stil mit dynamischen Kurzschwüngen und -sprüngen in Rekordzeit auf uns zu.

Dann geht’s flach weiter durch den Eisboden, einem lieblichen Gletschertal nach Norden, immer wieder mit sanften Pulverschneehängen. Unten müssen wir einen Bach überqueren, dann steigen wir unterhalb eines stillstehenden Sessellifts steil zwischen Felsen auf. Andi geht vor und entdeckt ein Schneehuhn, das direkt vor uns gemütlich durch den Schnee davontrippelt. 

Im Berghotel genießen wir den großen Wellnessbereich mit Sauna und Schwimmbecken mit Blick auf die verschneiten Gipfel.

Tag 3

Die Lawinengefahr geht langsam zurück und liegt jetzt bei Stufe 3.

Wir haben gesehen, dass sich einige Skitourengeher schon früh auf den Weg in Richtung Stubacher Sonnblick und Granatspitze gemacht haben. Wir folgen ihren Spuren, zuerst am zugefrorenen Weißsee entlang, dann in praller Sonne hinauf bis zum Fuß des Stubacher Sonnblicks. Die steile Schneeflanke am Gipfel leuchtet verlockend in der Sonne, aber der Aufstieg ist uns bei dieser Lawinenlage zu heikel.

 

 

Deshalb deponieren wir Ski und Rucksäcke und steigen im Schnee zwischen Felsen auf. Wir brechen aber bald ab, weil uns klar wird, dass der Weg über den langen Grat durch tiefen Schnee zu lange dauern würde und auch zu gefährlich wäre. Deshalb stürzen wir uns in den weiten Hang hinab in Richtung Weißsee. Wieder komme ich gut in den Rhythmus, links von mir legt Franz-Josef eine schöne Girlande in den nicht mehr ganz trockenen, aber immer noch lockeren und gut zu fahrenden Tiefschnee. 

Unten wird der Schnee dann immer schwieriger zu fahren, Bruchharsch mit angefrorener Decke und einer zähen Schneemasse darunter. In der strahlenden Sonne und abwechslungsreichen Landschaft macht uns die Abfahrt trotzdem Spaß und am Nachmittag landen wir wieder glücklich und zufrieden im Berghotel. 

Tag 4

Die Lawinensituation hat sich weiter stabilisiert und das Wetter bleibt traumhaft schön. Für heute haben wir uns einen markanten Gipfel vorgenommen: die Granatspitze (3.086 m). Wir steigen zunächst über dieselbe Route wie am Vortag auf. Es ist noch wärmer geworden, an manchen Stellen fühlt es sich fast an wie in einer Wüste. Über schneebedeckte Gletscherfelder und einen Steilhang am Schluss erreichen wir das Felsmassiv. Wir deponieren die Ski und steigen mit Steigeisen und Pickel den felsigen Hang bis zum Gipfel auf.

Was für eine grandiose Aussicht! Im Südwesten der Großvenediger, im Südosten der Großglockner – ein atemberaubendes Panorama. Der Abstieg erfolgt teilweise am Fixseil, dann geht es über den pulvrigen Steilhang hinunter auf das weite Gletscherfeld, wo wir in der Sonne Rast machen.

Die letzte Abfahrt unserer gemeinsamen Tage im Nationalpark Hohe Tauern ist wieder ein Genuß, genauso wie das gemeinsame Abendessen und der obligatorische Cocktail.

Tag 5

Jetzt heißt es Abschied nehmen von der Weißsee-Gletscherwelt. Immerhin können wir über die Piste bis zur Talstation mit den Skiern abfahren. Vorbei am zugefrorenen Tauernmoossee und auf etwas vereisten Hängen durch den Wald kommen wir alle wohlbehalten am Parkplatz an. 

Tourenleitung: Reiner Lechner

Text: Uli Paulus

 Bilder: DAV Mainz / Tourengruppe